AIV- Treff 8.Februar 2011- Besichtigung der Denkfabrik mit Galileo-Testfeld im Wissenschaftshafen Magdeburg


Unserem Kollegen Klaus Fricke war es mit der Organisation dieser Veranstaltung gelungen, ein ausgesprochen interessantes Themengebiet den Mitgliedern und Freunden des AIV-Magdeburg nahe zu bringen. Das Interesse im Vorfeld war groß, was sich an der regen Beteiligung ablesen ließ- schließlich waren mindestens 50 Interessenten erschienen, um das modernste Entwicklungslabor für GPS-Ortung, Navigation und Kommunikation in Verkehr und Logistik in Deutschland unter sachkundiger Begleitung kennen zu lernen. Dass es sich dabei nur um einen Teil des Aufgabengebietes des Veranstalters, des Ifak (Institut für Automation und Kommunikation e.V. Magdeburg) handelte, war dann beim Vortrag von Dipl.-Ing. Andreas Herrmann, Leiter des Bereiches Verkehrstelematik zu erkennen. Von Ihm wurde eine derartig umfassende Information über ein ausgesprochen komplexes Aufgabengebiet in der zur Verfügung stehenden Zeit vorgetragen, dass äußerste Konzentration der Veranstaltungsteilnehmer erforderlich war, um der Fülle des Vorgetragenen zumindest im Großen und Ganzen folgen zu können. Hier nun, stark zusammengefasst, einige Schwerpunkte des Vortrags.

Das Ifak ist ein gemeinnütziges Forschungsinstitut, getragen von einem gleichnamigen eingetragenen Verein. Es ist in die Bereiche IT & Automation, Verkehrstelematik, Integrierte Kommunikation und Mechatronische Systeme gegliedert. Jeder Bereich bearbeitet zwei Forschungsschwerpunkte. Für das Hauptthema des heutigen Abends, das der Verkehrstelematik zugeordnet ist, sind es die Forschungsschwerpunkte Verkehrsmanagement und Fahrzeug – und Infrastruktursysteme. Forschungsschwerpunkte in den weiteren o.g. Bereichen sind u.a. die Umweltinformatik, die drahtlose industrielle Kommunikation, Mess- und Analysensysteme, die kontaktlose Leistungsübertragung u.a.m.


Das Ifak ist als Aninstitut der Otto-von-Guericke-Universität anerkannt und so werden neben den 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (davon 47 Akademiker aus den Bereichen Elektrotechnik, Informatik/Mathematik und Bauingenieurwesen) auch noch ca. 35 Studierende und Gastwissenschaftler laufend in die FuE-Tätigkeit einbezogen. Strategisch vorteilhaft ist hierzu die Lage des Forschungsinstitutes in unmittelbarer Nachbarschaft zur Universität, dem Fraunhofer- und dem Max-Planck-Institut. Dadurch entwickelt sich dieser Bereich Magdeburgs immer mehr zu einem Wissenschaftsschwerpunkt. Natürlich benötigt eine derartige Einrichtung eine ausreichende Finanzierung. Diese wird aus Mitteln der EU, des Bundes, des Landes und der Wirtschaft abgesichert.


In der Form eines virtuellen "Spazierganges" durch die 7 Etagen der "Denkfabrik", einem rekonstruierten Speichergebäude des jetzigen "Wissenschaftshafens" (ehemals Handelshafen) wurden uns die vielfältigen Forschungsthemen, die dort bearbeitet werden, nahe gebracht. Ob es nun um die Steuerung von Abwassersystemen bis hin zur Software für komplette Ver- und Entsorgungsanlagen, die Volumenbestimmung kleinster Mengen oder ein Sensor-basiertes Frühwarnsystem zur Gefahrenabwendung bei Extremwetter ging, das Ifak befasst sich neben den noch zu erwähnenden Problemen der Verkehrstelematik mit einer Vielzahl von Problemlösungen für die verschiedensten Anwendungsgebiete, sei es nun die Umwelttechnik, das Bauwesen, die chemische Industrie, die Landwirtschaft – die Möglichkeiten sind vielfältig. Dazu gehört selbstverständlich die enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Das Ziel ist schließlich die Praxistauglichkeit der erarbeiteten Lösungen.


Für seinen Bereich, die Verkehrstelematik nannte uns Dipl.-Ing. Herrmann die Forschungsprojekte im Regionalen Verkehrsmanagement, wo es um immer bessere Vernetzungen mit den verschiedenen Anbietern z.B. der Länder Mitteldeutschlands geht, in der Verkehrsinformation, die allen Verkehrsteilnehmern eine dynamische, jederzeit aktuelle Darstellung der Verkehrslage vermitteln soll, in der Verkehrssimulation, die exakte Vorgaben für die Planung von Verkehrsanlagen erarbeitet und in der Verkehrssicherheit, wo anhand von Unfallauswertungen des Straßenverkehrs Lösungen zur Verbesserung der Sicherheit auf unseren Straßen erarbeitet werden. Für die Versorgung der Telematik-Endgeräte mit hochwertigen Verkehrsinformationen werden im Bereich der Verkehrsdatenerfassung kostengünstige und flexible funkgesteuerte Lösungen entwickelt. Auch auf dem Gebiet der Personalisierten Fahrgastinformation werden dynamische Lösungen angeboten, mit denen der betroffene Fahrgast automatisch informiert wird. Bedeutung erlangen zunehmend auch die Fahrerassistenzsysteme, hierfür wurde ein innovatives, kamerabasiertes und zudem kostengünstiges System entwickelt. Schließlich gibt es auch auf dem Gebiet der Fahrerlosen Transportsysteme die Entwicklung von Softwaremodulen, die „herstelleroffen“ angewendet werden können.


So wäre noch Vieles anzuführen, was durch die Mitarbeiter des Ifak bearbeitet wird. Ein derartig weites Forschungsfeld zu "beackern", erfordert wahrlich Höchstleistungen. Einblicke in die Forschungspraktik brachten den Teilnehmern einige Versuchsdarstellungen in einem gut ausgestatteten Labor, wo die Realisierung wissenschaftlicher Aufgabenstellungen, wie z.B. der Kontaktlosen Leistungsübertragung und spezieller Mess- und Analysensysteme dargestellt wurde. Ein letzter Höhepunkt war dann der Besuch des Galileo-Testfeldes, das durch einen kleinen Spaziergang erreicht werden konnte. In einer geräumigen Messhalle mit angeschlossener Freifläche war eine große Anzahl verschiedener Testfahrzeuge, Lagereinrichtungssysteme und anderer Komponenten für einen praxisbezogenen Testbetrieb neuer Entwicklungen im Verkehrs-, Mobilitäts- und Logistiksektor zu sehen. Einiges Erstaunliche davon wurde sogar praktisch vorgeführt. Wesentliches Ziel dieser Innovationen ist die Anbindung der einzelnen Systeme an das europäische Satellitennavigationssystem sowie an weitere satellitengestützte und terrestrische Ortungs-, Navigations- und Kommunikationssysteme zur Nutzung der sich daraus ergebenden organisatorischen und ökonomischen Vorteile.


Hiermit endete dann ein ausgesprochen erkenntnisreicher Themenabend aus der mittlerweile langen Reihe erfolgreicher Weiterbildungsveranstaltungen des AIV-Magdeburg. Das Interesse im Vorfeld hatte sich gelohnt. Bemerkenswert war, dass den abschließenden Gesprächen der Teilnehmer auch ein gewisser Stolz auf die wissenschaftliche Potenz ihrer Region – hier ausführlich dargestellt am Beispiel des Ifak – zu entnehmen war. Für die gelungene Veranstaltung soll an dieser Stelle nochmals der Dank des AIV-Magdeburg an das Ifak, vertreten durch Dipl.-Ing. Andreas Herrmann, ausgesprochen werden.

Erich Deutschmann