Exkursion nach Braunschweig am 6.Mai 2011

Pünktlich um 9 Uhr war der Teilnehmerkreis dieser Exkursion vor dem Eingang des Magdeburger Hauptbahnhofes versammelt und es ging zum Regionalzug nach Braunschweig. Nach kurzer, angenehmer Fahrt kamen wir, bei schönstem "Exkursionswetter", voller Erwartungen in Braunschweig an und erlebten die erste angenehme Überraschung: Die Fahrt mit der Straßenbahn war bereits durch die Bahnfahrkarte bezahlt! An einem der beiden klassizistischen Torhäuser, als "BDA-Galerie" genutzt, empfing uns Frau Käferhaus, die Vorsitzende des AIV-Braunschweig. Von ihr erfuhren wir gleich Interessantes zur Nachkriegsgeschichte dieses Gebäudes, das seinerzeit vom BDA zur eigenen Nutzung ausgebaut wurde und nach 25 Jahren wieder an die Stadt zurückgefallen war. Jetzt ist der BDA mit finanzieller Unterstützung des AIV Mieter des Gebäudes und dieses wird dann auch gemeinsam genutzt. So ändern sich die Zeiten!



Nun ging es zur Universität und dort zu einem besonderen "Ort", dem Architekturpavillon, nachträglich in den Gebäudekomplex eingefügt und mittels einer Brücke mit diesem verbunden, zweifellos eine gelungene architektonische und konstruktive Lösung. Dazu kommen günstige Lichtverhältnisse und eine gute Akustik. Hier konnten wir einige interessante Absolventenarbeiten betrachten und – natürlich – diskutieren. Danach gingen wir auf angenehmen, schattigen Wegen wieder zurück zur "BDA-Galerie", wo Frau Käferhaus, mit Hilfe anschaulicher Plandarstellungen, einen interessanten Vortrag über die städtebauliche Entwicklung der Stadt Braunschweig hielt, die, trotz der relativ geringen räumlichen Entfernung, doch ganz anders als die Entwicklung in Magdeburg verlief. Abgesehen von historischen Unterschieden war es vor allen Dingen die andere planerische Herangehensweise nach den Zerstörungen des 2.Weltkrieges. Die positiven Nachwirkungen sind an einem lebendigen Stadtbild, wie es sich heute angenehm darstellt, ablesbar. Interessant für uns Magdeburger war dann auch das "Für und Wider" des Wiederaufbaus der Schlossfassade und die Nutzung des dazwischen liegenden Raumes als (was soll es sonst sein?) Einkaufszentrum der mittlerweile doch recht beliebigen Art.



Nach einem schmackhaften Imbiss, organisiert durch die Familie Käferhaus ging es, mit einer gehörigen Portion "Grundwissen" versehen und frisch gestärkt auf einen kleinen Spaziergang, wieder von viel Grün begleitet, zur Besichtigung des "Kleinen Hauses" des Staatstheaters. Hier führte uns Herr Wilke, der seinerzeitige Projektleiter des Vorhabens, durch das funktionell geschickt gelöste Gebäude. Es war interessant zu hören, wie die immense technische Aufgabe eines Theaterbaus mit einer Kapazität von 350 Zuschauerplätzen in beengter Nachbarschaft zu einem bereits vorhandenen Gebäudeteil, zudem in städtebaulich komplizierter Lage, erfolgreich realisiert wurde. Insgesamt wirkte die gefundene Lösung sehr ansprechend.



Die kurze Besichtigung der Schlossfassaden und ein schneller Gang durch das Einkaufszentrum festigten dann die Meinung, dass es doch richtig war, dieses im Vorfeld so stark angezweifelte Vorhaben in die Tat umzusetzen. Vor allem städtebaulich ist dort einiges wieder in Ordnung gebracht worden. Die moderne (oder eher "modernistische"?!) Ausbildung der "Rückseite" des Gebäudes, wobei es ja Rückseiten von Gebäuden eigentlich nicht geben soll, überzeugte nicht so sehr, aber wer weiß, welchen Zwängen die Architekten bei deren Gestaltung ausgesetzt waren!



Und jetzt wurde es langsam Zeit eine Kaffeepause einzulegen. Die von großen schattenspendenden Bäumen umrahmte Terrasse eines Cafes am Schlossplatz lud bei der sommerlichen Wärme förmlich dazu ein. Erfrischt konnte danach ein weiterer Spaziergang angetreten werden, diesmal durch die Altstadt, vorbei an Rathaus, Dom, Burgplatz, Landgericht, Altstadtmarkt mit Altstadtrathaus, Gewandhaus u.a.m. zu unserem letzten Ziel, der jakob-kemenate. Hier präsentiert uns Frau Käferhaus ein ganz besonderes Haus aus dem 13.Jahrhundert, ehemals ein städtisches Fluchtgebäude, in der Funktion ähnlich dem Fluchtturm einer mittelalterlichen Burg. Es ist wahrscheinlich das älteste erhaltene weltliche Gebäude Braunschweigs und hat eine, schriftlich belegte, wechselvolle und interessante Bau- und Nutzungsgeschichte. 1765 wurde hier das älteste Bodenkreditinstitut Deutschlands errichtet und im gleichen Jahr auch die älteste Bank Deutschlands. Gleichermaßen interessant ist auch die heutige Nutzung. Es ist jetzt ein Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude, das ausschließlich durch interessierte Bürger auf freiwilliger, unentgeltlicher Basis organisiert und betrieben wird – eine wirklich beispielhafte Lösung, die vor allem hinsichtlich der damit verbundenen kompletten Eigenverantwortung durchaus nachahmungswert ist. Wie wir uns selbst überzeugen konnten, geschieht dies mit sichtbarem Erfolg.

Wir wären nicht Architekten und Ingenieure, wenn uns die besondere Konstruktion und die mutige Gestaltung, insbesondere des modernen Anbaus, nicht interessieren würden, denn hier ist man mit einer Fassadengestaltung aus thermisch beweglich genagelten Cortenstahlplatten (sgm. korrosionsträger Stahl) einen interessanten Weg gegangen. Dass damit nicht nur ein konstruktiver Wille durchgesetzt werden soll, wurde von den Planern philosophisch mit dem Einsatz dieses, auf lange Sicht hin, allein durch "die Tautropfen des Morgens" vergehende Material als Metapher des Vergehens an sich begründet. Das ist schon sehr interessant.



Damit ging unser Tag in Braunschweig dem Ende entgegen. Frau Käferhaus hatte dieses umfangreiche, interessante Programm in entspannter Art wirklich souverän durchgeführt. Wir konnten mit neuen Eindrücken und neuem Wissen über unsere Partnerstadt Braunschweig die Heimreise antreten. Hier noch einmal ein herzliches Dankeschön – und Auf Wiedersehen in Magdeburg!

Erich Deutschmann