Exkursion zum Schiffshebewerk Eberswalde-Niederfinow am 15.Juli 2011


Bei nicht gerade typischem Sommerwetter, trotzdem erwartungsvoll und froh gestimmt, traf sich eine "komplette Busladung" AIV-Mitglieder und Freunde des AIV am15.Juli 2011,morgens um 8 Uhr, auf dem Zentralen Omnibusbahnhof-Magdeburg zur Fahrt nach Eberswalde, um das dortige, bekannte Schiffshebewerk Niederfinow zu besichtigen. Nach angenehmer Busfahrt begann um 11.30 Uhr die Führung durch Herrn Kluge, einen ehemaligen, langjährigen Mitarbeiter des Schiffshebewerkes. Wir waren erst einmal beeindruckt von der touristischen Wirkung dieses (noch) in Betrieb befindlichen technischen Denkmals und der offensichtlich davon ausgehenden Bedeutung für die Wirtschaft des Ortes Niederfinow. Dies war unschwer an der auf das Hebewerk ausgerichteten Gastronomie und den sonstigen touristischen Einrichtungen, sowie an der etwas " überbordenden" Werbung in dessen Vorfeld zu erkennen. Es waren auch wesentlich mehr Besucher- 150.000 sollen es pro Jahr sein- als vergleichsweise an "unserem" Schiffshebewerk Rothensee zu verzeichnen. Nach einführenden Worten von Herrn Kluge, wobei die Hoffnung auf regenfreies Wetter für die Besichtigung eine nicht gerade geringe Rolle spielte, ging es erst einmal in das große, ausgesprochen informative Besucherzentrum mit einer Menge großer Bild- und Informationstafeln, Videoinstallationen, Modellen, Literatur und dergleichen mehr. Herr Kluge konnte mit dieser Unterstützung viel über die Geschichte nicht nur des 36m hohen Hebewerkes (als Ersatz für die frühere "Schleusentreppe" aus vier einzelnen Schleusen), sondern auch über das gesamte Kanalsystem zwischen Berlin und der Oder berichten. Interessant waren hier die Hinweise auf die physikalischen Besonderheiten, die man beim Kanalbau beachten muss und auf deren drastische Veränderung durch die Einführung motorbetriebener Schiffe an Stelle des früher üblichen Treidelverkehrs. Bauen im bzw. mit dem Wasser ist eben doch etwas ganz Anderes, als das Bauen auf dem Lande. Durch die gut gemachten Darstellungen des Besucherzentrums konnte auch die Notwendigkeit des Baus eines neuen Schiffshebewerkes, mit einem größeren und tieferen Trog für die größer gewordenen Motorschiffe und Schubverbände, den Besuchern anschaulich näher gebracht werden. Die Höhe des zu überwindenden Geländesprunges bleibt ja bei 36m. Hier hat man sich scheinbar auch damit abgefunden, dass das alte Hebewerk nur noch für eine Übergangszeit parallel zu dem Neubau genutzt wird, um dann, stillgelegt, endgültig musealen Zwecken zu dienen. Das neue Hebewerk wird ja auch- wie schon das alte- als Senkrechthebewerk mit Gegengewichtsausgleich gebaut, insofern geht die technische Lösung nicht verloren.

Ausgestattet mit den notwendigen Fakten konnten wir nun den "praktischen Teil" unseres Besuches angehen, nämlich einen kleinen, etwas ansteigenden, Spaziergang (übrigens bei trockenem Wetter, unsere vorherigen "Stoßgebete" hatten wohl Wirkung) zwecks Besichtigung des vorhandenen Hebewerkes. Angenehm fiel hier bereits die landschaftliche Einbindung des Bauwerks auf. Oben angekommen bot sich dann ein prächtiger Ausblick auf das Gebiet des Barnim, einen Teil der schönen Oderlandschaft, die für viele von uns noch der Entdeckung harrt. Bei einem Hebevorgang konnte, Herr Kluge wiederum Einiges vortragen, wobei dieser Teil der Besichtigung für uns Magdeburger eigentlich eine Wiederholung hinlänglich bekannter Tatsachen darstellte. Faszinierender war da schon der Blick auf die gewaltige Baustelle des neuen Werkes, das nicht nur aus dem eigentlichen Schiffshebewerk mit seinen Einzelteilen, wie Tragwerk, Trog mit Gegengewichten, Trogwanne u.a.m. besteht, sondern noch die Kanalbrücke, sowie den oberen und den unteren Vorhafen beinhaltet. Hierfür sind erhebliche Eingriffe in die Landschaft erforderlich. Sie sollen aber durch ein Paket von Uweltschutzmaßnahmen am Ort und Kompensationen im gesamten Naturpark Barnim, wie z.B. die Schaffung neuer Misch- bzw. Laubwälder in der Nähe des Oder-Havel-Kanals, mehr als nur ausgeglichen werden. Über die Baustelle hinweg sah man allerdings immer wieder das riesige grüne Tal mit den umgebenden Hügelketten, sicherlich ein nicht unwesentlicher Grund für die Beliebtheit des Schiffshebewerkes Niederfinow als Ausflugsziel. Da kamen manchem unserer Teilnehmer vergleichende Gedanken zu unserem- leider immer noch auf „der Kippe stehendem“- Schiffshebewerk Rothensee auf und es wurde der Wunsch geäußert, dass es sich auch dereinst zu einem touristischen Ziel ähnlicher Bedeutung und Beliebtheit entwickeln möchte.

Zum Abschluss fand dann ein gemeinsames Mittagessen in einer Gaststätte in der Nähe statt. Vorher wurde aber unser tüchtiger Führer, Herr Kluge, mit lebhaftem Beifall verabschiedet. Er musste zu seiner nächsten Tour. Nach glücklicher Heimfahrt war dann wieder einer der interessanten Ausflüge des AIV-Magdeburg beendet. Den Organisatoren ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle.

Erich Deutschmann