AIV- Treff 8.Mai 2012 – "Planung Domplatzgestaltung, Wiederaufbau der Bastion Cleve und des Alten Sudenburger Tores"

Ein interessantes Thema für uns Magdeburger, nicht nur für Architekten, hatte unser Kollege Gernot Siewert für diesen Abend vorbereitet. Dementsprechend gut besetzt mit Vereinsmitgliedern und Gästen war der Saal, den uns das Baudezernat dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hatte. Aber auch sachkundige Vertreter des Dezernates standen zur Verfügung. Dies waren der Leiter des Stadtplanungsamtes Heinz-Joachim Olbricht und sein Sachgebietsleiter Sanierung Burkhard Rönick, die den Ablauf der Veranstaltung wesentlich mitgestalteten.

Zwei verwandte Themen standen auf dem Programm, für deren Vortrag jeweils die von der Stadt beauftragten Planer – beide AIV-Mitglieder - gewonnen werden konnten, auch ein Glücksfall, denn wir wissen, wie zeitraubend das "Planungsgeschäft" heutzutage ist, wo man sich jede zusätzliche Minute "regelrecht vom Munde absparen muss".



Nach kurzen einführenden Worten von Burkhard Rönick, von unserem neu gewählten Vereinsvorsitzenden Friedrich Koop und von Heinz-Joachim Olbricht begann unsere Vereinskollegin Daniela Süßmann mit dem ersten Thema – Planung Domplatzgestaltung. Sie hatte dazu eine informative Videopräsentation mitgebracht, wodurch sie ihre Planungsideen, die seinerzeit zu den bekannten kontroversen Diskussionen im Vorfeld geführt hatten, den Anwesenden noch einmal besonders gut vor Augen führen konnte. An dieser Stelle muss man einfügen, dass durch die gute Informationsarbeit des Stadtplanungsamtes in den zurück liegenden Monaten die verschiedenen Gestaltungselemente des Vorhabens, hier in einzelne Module aufgeteilt, sei es nun die Visualisierung der karolingischen Spitzgräben mit einer eleganten Wasserinstallation oder die Beleuchtung und auch die besonders kritisierte Veränderung der alleeartigen Baumreihen, mittlerweile einleuchtend und vernünftig erscheinen. Nun wurde auch verstanden, warum für die Randbepflanzung des Platzes eine barocke Fassung angestrebt wird. Einzelne Fragen mit leichtem kritischen Unterton, wurden, die Planerin unterstützend, von Heinz-Joachim Olbricht in zeitweilig humorvoller, aber immer sachlicher Art, erschöpfend beantwortet, so dass letztendlich bei den Zuhörern Konsens herrschte und alle nun auf die neue "Erlebnisfläche" Domplatz gespannt sind. Ein besonders sympathischer Teil des "neuen" Domplatzes, das Labyrinth, initiiert und durchgeplant von Daniela Süßmann, ist ja bereits erlebbar und es gibt wohl keinen Magdeburger, den diese Idee nicht begeistert hat. Vielleicht hat auch dies dazu beigetragen, dass an Beifall für diesen Beitrag nicht gespart wurde.

Den zweiten Teil gestaltete Carsten Sußmann mit seinem Vortrag über den Wiederaufbau der Bastion Cleve und des Alten Sudenburger Tores. Hierbei handelt es sich, im Gegensatz zu dem vorangegangenen Planungsthema um zwei bereits erfolgte Realisierungen von denen besonders die Bastion Cleve großen Anklang bei den Magdeburgern und ihren Gästen findet. Hier wurde aus dem Kulturschutt einer uralten Stadt und – leider - auch aus den Trümmern zweier schrecklicher Kriege ein neuer, interessanter Erlebnisbereich ergraben, sorgfältig instandgesetzt und einfühlsam ergänzt. Dass dazu eine umfangreiche Planungsarbeit im historischen Bereich und in der Anpassung an die Erfordernisse der heutigen Zeit erforderlich ist, konnte Carsten Sußmann eindrucksvoll unter Verwendung seiner präzisen Videodokumentation vortragen, selbstverständlich auch mit einem Ausflug in die wechselvolle Geschichte dieses Teils der einstigen Stadtbefestigung.


Interessant bei derartigen Vorhaben ist auch immer wieder der Einfluss des jeweiligen Grabungszustandes auf die Planung und wie das Auffinden unerwarteter Bauteile (historische Dachziegel, histo-rischer Straßenbelag), sowie zwischenzeitlich eintretender Bauzustände, wie z.B. die Bewältigung des Wassers in dem noch verschlossenen Tunnelverbinder zum Fürstenwall, völlig neue Planungs-grundlagen schaffen kann.

In Bezug auf die weiteren Nutzungsmöglichkeiten dieser einmaligen städtebaulichen Situation an Dom und Elbe, wo besonders letztere immer mehr zu einem beliebten Flanierbereich der Magdeburger geworden ist, nicht zuletzt dank der vielfältigen Gestaltungsmaßnahmen unseres Stadtplanungsamtes in den letzten Jahren. Hier eröffnete Heinz-Joachim Olbricht dann auch einen wahrhaft begeisternd stimmenden Ausblick auf die vielfältigen gastronomischen Möglichkeiten dieses Bereiches, vom Biergarten bis zum Weinrestaurant - wir dürfen gespannt sein.



Beim Wiederaufbau des Alten Sudenburger Tores handelt es sich um ein kleineres, aber historisch nicht weniger interessantes Vorhaben der architektonischen Aufarbeitung der Magdeburger Stadtgeschichte. Auch hier wurden durch Zufall, nämlich bei der Neuanlage des Fußweges Danzstraße/Ecke Breiter Weg und der pflichtgemäßen archäologischen Untersuchung des Baugrundes vor Beginn der Baumaßnahme, besonders markante Bauteile der südlichen Stadtmauer gefunden, deren Sichtbarmachung von besonderer Bedeutung für die Stadt Magdeburg ist. Auch hier zeigte Carsten Sußmann mit interessanten Detailaufnahmen, die er mit baugeschichtlichen Informationen zu verbinden wusste, wie er diese Planungsaufgabe bis hin zur baulichen Realisierung gelöst hat. Nun kann man als Passant, "quasi im Vorübergehen" interessante Einblicke in 1000 Jahre Stadtgeschichte nehmen, indem man ein paar Stufen hinunter geht, um auf einer kleinen Brückenkonstruktion die "Kulturschichten" dieser Stadt zu sehen, man denke hierbei an die acht (oder neun?) Straßenhorizonte, deren unterster aus der Zeit Ottos des Großen stammt, also die genannten 1000 Jahre alt ist und zudem noch Wagenspuren(!) aufweist- und an die jahrhundertelangen baulichen Veränderungen der Anlage, schließlich geht deren Geschichte bis zum Abbruch im Jahr 1872. Ein paar Stufen nach oben und man ist wieder in der Jetztzeit. Das ist einfach faszinierend. Sicherlich, man hätte vielleicht eine andere - mehr historisierende - Lösung dieser Aufgabe in Angriff nehmen können, aber es gibt nun mal Grenzen, die einem Planer gesetzt sind, besonders wenn er im Auftrag der "öffentlichen Hand" arbeitet. Da spielt nicht nur das Geld eine Rolle, da gibt es die Sicherheit im öffentlichen Bereich und vieles mehr, was er zu beachten hat. Diese Synthese ist ihm gelungen, auch diese kleine Baulichkeit wird von der Magdeburger Bevölkerung gern angenommen. Auch diese beiden Beiträge wurden mit lebhaftem Beifall bedacht.

Wieder einmal konnte der Magdeburger AIV seinen Mitgliedern und Gästen eine interessante Veranstaltung auf einem hohen fachlichen Niveau bieten. Dafür sei an dieser Stelle den beiden Vortragenden und dem Stadtplanungsamt nochmals herzlich gedankt.


Erich Deutschmann