AIV- Treff 3.Juli 2012 – "Anbau Kulturhistorisches Museum und Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen"

Das heutige Besichtigungsprogramm kam den wieder zahlreich erschienen AIV-Mitgliedern und ihren Gästen anfänglich recht umfangreich vor, zudem es an zwei, einige hundert Meter voneinander entfernten, Standorten absolviert werden sollte. Doch dank guter Vorbereitung der Verantwortlichen lief dann doch alles "wie am Schnürchen". Zuerst gab uns Uwe Korb, Verwaltungsleiter des Kulturhistorischen Museums, im Museumshof einen Überblick über die "Entstehungsgeschichte" dieses Anbaus, der schon vor ca. 100 Jahren als ein dritter Bauabschnitt den Museumskomplex an der Südseite vervollständigen sollte und nun endlich, am 26.Januar 2012, der Öffentlichkeit übergeben werden konnte.


Für ca. 4 Millionen Euro, davon 3,5 Millionen als Fördermittel des Landes und des Bundes, konnten im Rahmen des "Konjunkturpaketes II" ca. 1700 m² Nutzfläche in dem fünfgeschossigen graphitfarbenen Anbau geschaffen werden, davon 400 m² als Sonderausstellungsfläche. Die restliche Fläche teilen sich das Magazin im Keller, die umfangreiche Bibliothek (60.000 Bände!), das neugeschaffene Zentrum für Mittelalterausstellungen und die Verwaltung. Der Verwaltungsleiter vergaß bei diesen Zahlenangaben auch nicht, lobende Worte für die Museumsmitarbeiter zu finden, die in beispielhafter Kürze einen reibungslosen Umzug innerhalb des Gebäudes organisierten.

Der Anbau war dringend notwendig geworden, zum einen aus Platzgründen, denn der Museumskomplex "platzte aus allen Nähten" (z.B. mussten bei Sonderausstellungen bisher umfangreiche Auslagerungen erfolgen). Schließlich umfasst er außer dem Kulturhistorischen Museum auch noch das Naturkundemuseum, zum anderen aber auch aus funktionellen Gründen, denn ihm fehlte bisher der "Rundgang", eine spürbare Erleichterung, nicht nur für die Besucher! Nun muss man nicht mehr alle Wege zweimal gehen und dies auch nicht mehr über irgendwelche hinderliche Stufen. Trotz komplizierter Höhenverhältnisse zwischen den einzelnen Gebäudeteilen ist es den Bauleuten auch gelungen, eine durchgängige Barrierefreiheit zu schaffen.



Bei dem nun folgenden Rundgang kam Andreas Geiger, zuständiger Projektleiter des Kommunalen Gebäudemanagements zum Einsatz. Geduldig beantwortete er die Fragen der Besucher, ob es nun um Gründungsprobleme, hier besonders um die Grundwasserproblematik, aber auch um Setzungserscheinungen ging oder auch um die Hebelschubanlage in der Bibliothek, es gab für alle baulichen Probleme eine klärende Antwort. Besonders interessierte auch die gelungene Angleichung der unterschiedlichen Fußbodenhöhen. So "ganz nebenbei" konnte man auf dem Rundgang auch, sonst bestimmt nicht mögliche, Einblicke in die praktische Museumsarbeit tätigen. Man sah in der Vorbereitung für die neue Landesausstellung Otto der Große und das Römische Reich befindliche Ausstellungsflächen, Arbeitsplätze von Präparatoren und Modellbauern und anderes mehr. Das Hauptaugenmerk galt aber den neuen Räumen und ihren museumstechnischen Ausrüstungen bzw. Ausstattungen, von der Beheizung bzw. Kühlung, der Lichttechnik bis hin zu den Vitrinen und den Mediensteckplätzen im Fußboden. Vor dem Ausgang konnte im Museumshof noch die Megedeborch, dieses so erfolgreiche Museumsprojekt für Kinder, bewundert werden. Der Vorsitzende des AIV-Magdeburg, Friedrich Koop, sprach dann beiden Mitarbeitern der Stadt, unter dem Beifall der Besichtigungsteilnehmer, den herzlichen Dank des AIV für ihre kompetente Durchführung dieses ersten Teils der heutigen Besichtigungstour aus, bevor es weiter zum zweiten Besichtigungsort ging.


Hier, vor dem Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen erwarteten uns bereits Dr. Annegret Laabs, die Leiterin des Kunstmuseums und Regine Hartkopf, Architektin des Umbaus, die hier auch ihren ehemaligen Büropartner Reinhard Rüger vertrat, um uns durch den sanierten und umgebauten Westflügel des Klosters zuführen. Die Unterbringung eines Museums für Moderne Kunst in einem romanischen Kloster, das allein schon ein Kunstdenkmal von zumindest deutschlandweiter Bedeutung darstellt, ist schon eine spannende Aufgabe für Bauherren und Architekten. Das Kunstmuseum, das schon einige Aus- und Umbauphasen hinter sich hat, war diesmal in knapp zwei Jahren Bauzeit mit einem Aufwand von 3,7 Millionen Euro, davon 2,2 Millionen von Bund und Land, sowie weiteren Geldern aus dem Städtebaulichen Denkmalschutz und von der Kloster Bergeschen Stiftung hauptsächlich im Bereich des Westflügels um- und ausgebaut worden. Vom Büro Hartkopf . Rüger Halle Planungen für das Kloster geleistet, wobei Reinhard Rüger aus seiner Tätigkeit als Denkmalpfleger das Kloster noch länger kannte, die Materie war also gut bekannt. Sorgfalt musste aber auch bei der Behandlung moderner "Kunst am Bau", hier speziell bei der farbigen Wandgestaltung des Foyers von Christof Cuzine, mit dem Titel "Eine leichte Verschiebung", aufgewandt werden. Baulich fiel hier auch gleich die neue Höhenentwicklung und damit eine hellere, luftige Atmosphäre auf, denn man hatte mit Geschick die vorhandene Treppenanlage zum neu ausgebauten Dachgeschoss hin erweitert. Zuerst galt es aber die neu gestaltete sogenannte "Große Tonne", quasi ein Nebenprodukt dieser Bauphase, zu bewundern. Es wurde aus Einsparungen gegenüber dem vorgegebenen Budget finanziert. Hier wurden natürlich in der Hauptsache die ausgestellten Installationen diskutiert. Obwohl unauffällig durchgeführte Veränderungen zur Verbesserung der Raumsituation durchaus auch zu bemerken waren. An dieser Stelle sollte auch die nunmehr geschaffene weitestgehende Barrierefreiheit erwähnt werden.



Im Obergeschoss gab es dann allerdings ein Glanzlicht der Baumaßnahme zu bewundern: Die neue Fensterverdunklungsanlage mit dem Namen TransReflex, geplant und ausgeführt von der Firma realities:united der Brüder Jan und Tim Edler aus Berlin. Nachdem Dr.Annegret Laabs, die verschiedenartigen Effektmöglichkeiten der, in unterschiedlichen Winkeln aus der Fassade klappenden, 17 beidseitigen Spiegelpaneele vorführte und damit durch die verschiedenen Spiegelungen die vollkommene Illusion auslöste, waren alle Besichtigungsteilnehmer einhellig begeistert, so etwas hatte man noch nicht gesehen. Es gab dann einen Rundgang durch die Räume des Obergeschosses mit der umfangreichen Fotoausstellung einer amerikanischen Künstlerin. Weiter ging es in den Kreuzgang mit einer großflächigen Ausstellung in Teer getauchter, z.T. zerschnittener und in verschiedenen Kombinationen an den Wänden angebrachter Mäntel. Bestimmt ein Thema für sich, doch wir waren in der Hauptsache wegen der interessanten neuen Baumaßnahmen hier. Interessant war allerdings auch der Gipsestrich aus den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in seiner einfühlsamen, denkmalgerechten Ausführung. Ein kleines, in dieser Bauphase wiedergewonnenes, Ausstellungsgewölbe, das ehemalige Pönitentarium, erzeugte dann noch Interesse.

Im neu ausgebauten Dachgeschoss berichteten Bauherrin und Architektin ausführlich über die Probleme, aber vor allem über den Erfolg dieser Baumaßnahme: Schließlich wurde ein über 200m² großer stützenfreier Raum für Medienkunst gewonnen. Als "MedienLounge" bezeichnet bietet er u.a. Platz für die bereits zahlreich vorhandenen Exponate der Medienkunst.



Nach unten ging es dann im neuen Fluchttreppenhaus, eine notwendige Einrichtung des Brandschutzes. Im ehemaligen Klostercafe wurde noch auf die spürbare Wirkung der neuen Akustikdecke verwiesen, Architektin Regine Hartkopf, die zu einem anderen Termin eilen musste, wurde mit Dank verabschiedet und unser Vorsitzender Friedrich Koop bedankte sich im Namen des AIV für die Gestaltung dieses interessanten Abends. Dr. Annegret Laabs beschloss dann die Veranstaltung mit weiteren interessanten Informationen und beantwortete noch einige Fragen, ehe die Besichtigungsteilnehmer mit neuen Erkenntnissen den Heimweg antraten. Nicht zuletzt sei auch unserer Vereinskollegin Angelika Brezinski für die Vorbereitung dieses interessanten AIV-Treffs gedankt.


Erich Deutschmann