AIV-Studienreise nach Hamburg
(vom 15.09. -16.09.2012)

Die Reise dauerte diesmal nur zwei Tage, aber das Programm, welches unser Organisationsteam in Zusammenarbeit mit dem Reisebüro vorbereitet hatte, war reichhaltig. Die Besichtigungsschwerpunkte hießen: Airbuswerke und Hafen-City mit Elbphilharmonie, also etwas aus dem Ingenieurwesen und etwas aus dem Architekturbereich.


Der Bus war voll besetzt, ein Beweis für das große Interesse. Um 13 Uhr begann das Programm in den Airbuswerken- Finkenwerder mit einer Einführung und einem Film im Informationszentrum. Es war schon beeindruckend, was wir hier zu hören bekamen: 17000 Mitarbeiter montieren auf einem 300 ha großen Firmengelände mit eigenen 3180 m langen Landebahn hauptsächlich die A320-Reihe( 40 Maschinen pro Monat), deren Einzelsegmente aus den verschiedenen Airbus-Standorten in Europa (Bug aus Frankreich, Flügel aus England, Heckteil aus Finkenwerder usw.) mittels des Lufttransporters Beluga angeliefert werden. Sogar das größte Passagierflugzeug der Welt, der A380 landet hier zu Ausbauarbeiten bzw. zur Endmontage. Die Segmente dafür kommen allerdings mit dem Schiff. Mit weiteren Fakten reichhaltig versorgt, startete nun in drei Gruppen der Gang durch die Hallen. In der Halle 1, erfolgt der Rohbau. Hier erfuhren wir einiges über interessante Technologien zur Gewichtseinsparung, z.B. durch großflächige Ausätzungen- bzw. Ausfräsungen statisch nicht beanspruchter Bereiche in Blechen und stärkeren Materialen – und, natürlich noch viel mehr über spezielle Eigenheiten des modernen Flugzeugbaus. In der Halle 8 ging es um die Ausrüstung. Hier bewegten sich die Rohbauten aus der Halle 1 mit einer Geschwindigkeit von 1m/h auf Schienen, um mit umfänglicher Technik ausgerüstet zu werden. Dazu gehörte auch ein sogenanntes Free-Stock-Lager mit Tausenden kleiner Zubehörteile, für die Mitarbeiter jederzeit auf „kurzem Weg“ zugänglich. Es ist schon erstaunlich, wie viele kleine (und kleinste Bauteile!) zu einem Flugzeug gehören. In der Otto-Lilienthal-Halle (Halle 14), findet die Endmontage der verschiedenen Baureihen (außer A380) statt. An verschiedenen Stationen (Tragflächen, Cockpit usw.) wird hier auf zwei Fertigungslinien gearbeitet. Der Transport der Flugzeuge erfolgt auf Luftkissen, um die- komplett „von Hand“(!) aufgebrachte Lackierung zu schonen. Erstaunlich war die Information, dass die komplette Lackierung erfolgt. Ehe wir zum Freigelände, einer Art Museum des deutschen Flugzeugbaus der Nachkriegszeit hinüberschauten, konnten wir noch die (fast) fertigen A320 sehen. Überraschenderweise durften wir noch in die Halle 260, um hier die Endfertigung des A380 (73 m lang, bis zu 24 m hoch, Flügelspannweite ca. 80 m, 555 bis 850 Sitze), des größten Passagierflugzeugs der Welt, kennenzulernen. Erstaunlich auch die Massen, die hier in die Luft gebracht werden müssen, z.B. die 310.000 l Kerosin für eine Reichweite von 15.000 km. Die menschliche Arbeitsleistung beim Bau dieses Giganten (von dreistöckigen Arbeitsgerüsten aus) ist dementsprechend enorm hoch, beispielhaft seien hier nur die 1.600 l Farbe genannt, die bis zu 6 Schichten dick manuell (!) aufgetragen werden müssen. Nach der Fülle des Gesehenen gab es noch in zwangloser, humorvoller Atmosphäre, eine abschließende Zusammenfassung im Informationszentrum, mit herzlichen Dankesworten des AIV-Magdeburg an die Werksführer.


Am frühen Abend erfolgte dann in zwei Gruppen der Besuch des Elbphilharmonie Pavillons auf den Magellan-Terrassen mit zugehörigem Spaziergang durch die Hamburger Hafen-City. Im Erdgeschoss des kleinen Gebäudes war eine Ausstellung über die Elbphilharmonie zu sehen. Dazu gab es Erläuterungen von unserer Stadtführerin, z.B. über die Hamburger Musikgeschichte und die zukünftigen Programmschwerpunkte. Schwerpunkt weiterer Ausführungen war die Akustik, die in ihren Gestaltungsmöglichkeiten in solch einem Riesengebäude natürlich arg von den Brandschutzanforderungen beschnitten wird. Im Obergeschoss konnte man dann ein detailgetreues Modell (1:10) des, im sogenannten Weinbergsystem bestuhlten, großen Saales mit allen 2150 besetzten Plätzen betreten, um sich vorzustellen, auf welcher Grundlage die Akustiker ihre Berechnungen durchgeführt haben. Neben den technischen Aufwendungen spielen die Probleme der erwarteten Nutzung eine erhebliche Rolle. Die jetzige Stadtregierung betreibt im Vorfeld eine umfängliche Werbekampagne in allen Bevölkerungsschichten, um z.B. Befürchtungen zu zerstreuen, dass es sich hier letztendlich um einen Musiktempel für Besserverdienende handeln würde. Beim anschließenden Spaziergang durch die Hafen-City ging es um die wechselvolle Geschichte des Freihafens bis hin zur aktuellen Planung als Wohngebiet für 12.000 Menschen, wo außerdem noch 40.000 Arbeitsplätze entstehen sollen, und das auf einem überflutungsgefährdeten Gebiet. So kamen wir dann zur Elbphilharmonie, die auf den Grundmauern des ehemaligen „Kaiserspeichers“ errichtet wird, der im Krieg zerstört, in den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts neu aufgebaut wurde, um nach Jahren des Leerstandes und einer geplatzten Planung als „Medienzentrum“, jetzt als Unterbau für den voluminösen Glasaufsatz des Konzerthauses dient. Die Bezeichnung „Konzerthaus“ scheint etwas untertrieben, neben den drei Konzertsälen und weiteren Räumen für den Musikbetrieb sind hier ein 250-Betten-Hotel, 45 Wohnungen, ein Parkhaus mit ca.500 Stellplätzen und alles, was dazugehört, untergebracht. Einen Ausdruck enormen Bauwillens stellt dieser 110 m hohe, an der Westspitze der Hafen-City gelegene repräsentative Mehrzweckbau dar, mit seiner interessant reflektierenden Fassade und der kühnen Dachgestaltung eine weithin wirkende Landmarke – wenn der Bau dann endlich fertig sein wird. Doch er wird fertig und die Sache wird sich rechnen, auch wenn die Bau- und Finanzierungsgeschichte nicht eben geradlinig verlaufen ist. Mit einem gemeinsamen Essen in einem gemütlichen Gasthaus in der Speicherstadt endete dann der offizielle Teil des Tagesprogramms.





Am nächsten Morgen ging es, wiederum in zwei Gruppen, zum erneuten Spaziergang durch Hafen-City und Speicherstadt . Wer befürchtet hatte, dass es sich weitgehend um eine Wiederholung des gestrigen Programms handeln würde, wurde (glücklicherweise!) enttäuscht. Unser heutiger Stadtführer , begleitete uns, beginnend mit dem Gebiet des Magdeburger Hafens, bei schönstem Wetter, durch die neue Bebauung der Gebiete Strandkai und Überseeviertel, die durch ihre klaren Formen und den Wechsel mit den Wasserflächen besonders ansprach. Es sah alles so gut aus und glänzte in dem hier schon maritimen Licht, besonders die riesigen Glasflächen. Nur wie sieht es mit der Abwehr des maritimen Klimas, insbesondere der hier häufigen Stürme, aus? Welchen Einfluss haben die enorm hohen Wohnungspreise auf die Bevölkerungsstruktur? So kamen wir dann zur Speicherstadt mit ihrem etwas herben Charme, abwechselnd Landseite – Wasserseite, dazwischen die imposanten Gebäude mit ihren streng wirkenden, aber im Detail doch abwechslungsreich gestalteten Ziegelfassaden. Auch sie haben eine interessante „Geschichte der Wandlungen“ aufzuweisen, von der Entstehung als reine Warenspeicher auf einem bis dahin gutbürgerlichen Wohngebiet bis hin zur Umwandlung zur multifunktionellen „Arbeitsstadt“ gab es tiefgehende Informationen. Und hier auch, wie bei der kompletten Hamburger Hafenentwicklung bis hin zur „HafenCity“ zeigte sich wieder die Rigorosität, aber wohl auch das taktische Geschick der Hamburger Senatoren, durch große Umsiedlungsmaßnahmen Platz zu schaffen für neue Entwicklungen.(Motto: „Wo eines Platz nimmt, muss das andre rücken…!) Im Info-Pavillon des Überseequartiers, gab es dann an einem Großfoto der „HafenCity“ noch eine Zusammenfassung und damit endete dann bald diese, wirklich tiefgründige Information über ein in Deutschland wohl einmaliges Großvorhaben. Den Beifall zum Schluss hatte sich unser Stadtführer redlich verdient.

Damit ging es zum Bus und unser Aufenthalt in Hamburg hätte damit sein Ende gefunden, wenn nicht der Stadtführer der zweiten Gruppe, sich spontan entschlossen hätte, uns noch die Innenstadt Hamburgs und den Alsterbereich zu zeigen. Damit war unsere Hamburg-Reise dann richtig „rund“. In Salzhausen im Alten Land gab es dann noch ein schmackhaftes und reichhaltiges Mittagsbuffet und am gerade stattfindenden „Kirch- und Markttag“ konnte man auch noch teilnehmen. Nicht lange mehr und wir landeten am Magdeburger Busbahnhof. Damit endete eine, dank der Vorbereitung durch unser Organisationsteam und das Reisebüro, wiederum wunderbar durchgeführte Studienreise des AIV-Magdeburg.

Erich Deutschmann