AIV- Treff 5.März 2013 – Besichtigung "Haus des Handwerks"

Es hatten sich sehr viele Mitglieder und Freunde des AIV-Magdeburg im Foyer des neuen Domizils der Handwerkskammer Magdeburg, dem im Herbst 2012 wieder eröffneten "Haus des Handwerks", getroffen. Das Interesse war einfach groß, diese, der Magdeburger Öffentlichkeit noch aus den Zeiten vor der Wende hauptsächlich als große gastronomische Einrichtung bekannte Villa des Historismus nun "in neuem Glanz" besichtigen zu dürfen, nachdem sie ca. 20 Jahre ein trauriges, zunehmend ruinöses Dasein führen musste. Da der AIV vor einem Jahr schon die Bauarbeiten besichtigen durfte, war man nun gespannt auf das Ergebnis.


Und es konnte sich sehen lassen, was Romy Meseberg, die Projektverantwortliche der Handwerkskammer Magdeburg und Ole Saalmann, der Architekt vom Büro Dr.Ribbert Saalmann den Gästen zu zeigen hatten. Schließlich wurden seit dem 1.Spatenstich im Oktober 2009 und dem Baubeginn im Oktober 2010 bis zum Nutzungsbeginn im Oktober 2012 10 Mio Euro, davon 1 Mio Euro Fördermittel verbaut. Dafür wurde in der, nunmehr wieder prächtigen Villa ein modernes Büro- und Konferenzzentrum mit 40 Büros, 4 Besprechungsräumen und 3 Veranstaltungsräumen errichtet - bei Einhaltung des Kostenrahmens!

Schon die Aufarbeitung der Fassaden und die Erneuerung der Einfriedung machen aus dem Gebäude einen Glanzpunkt für die ganze Umgebung. Der helle Sandstein leuchtet regelrecht, die reichen Fassadendetails, besonders an der Nordfassade, wo sich auch die repräsentative Loggia befindet, sind wieder hervorgehoben. Dazu die schönen, in historischen Formen nachgebauten Fenster und Außentüren in einem Holzton, der die Farbwirkung des Sandsteins noch unterstützt. Auch die An- und Aufbauten, durchgängig in modernen Formen aus mattbronzefarbigem Aluminium, zumeist mit viel Glas ausgeführt, fügen sich in die gestalterische Gesamtkonzeption gut ein. Damit wurde das historische Gebäude sozusagen mit der Neuzeit verbunden. Wie der Architekt erläuterte, ergibt sich je nach Sonneneinstrahlung sogar noch ein interessantes Farbspiel.

Die für den westlich des Gebäudes liegenden Garten erarbeitete Freiflächenkonzeption konnte "beiseite" gelegt werden, nachdem überraschenderweise die ursprüngliche Gartengestaltung unter dem dichten Aufwuchs regelrecht "ergraben" wurde. Die Flächenaufteilung mit den Wegen und den zahlreichen Bauteilen wurde daher übernommen und dort, wo notwendig", sorgfältig demontiert und wieder aufgebaut. Auch der aufwändige Zaun und der volierenartige Pavillon wurden nach den historischen Vorlagen wieder aufgebaut. Die Wirkung des vom Garten aus sichtbaren Fassadenbereichs wird besonders durch die schönen Terrassen bestimmt. Als besonders attraktiv und großzügig erwies sich nachher bei der Besichtigung die im 1. Obergeschoss wieder hergerichtete halbkreisförmige Terrasse.



Im Gebäudeinneren wurde die ursprüngliche Raumaufteilung dort, wo sie sich in die neue Raumkonzeption einfügte, wieder übernommen. Die ersten Veränderungen für die künftige Nutzung als modernes Büro- und Konferenzzentrum bemerkt man jedoch schon im Eingangsbereich. Hier wurde aus der Hofeinfahrt eine Vorhalle und aus dem einstigen Wirtschaftshof ein großzügiges, atriumartiges Foyer, universell nutzbar für den Publikumsverkehr, geschaffen, perfekt für die notwendige Abgrenzung zum Büroarbeitsbereich. Eine Besonderheit des ursprünglichen Grundrisses, die überbreiten, foyerartigen Innenflure, wurde beibehalten und sogar in das neu aufgesetzte Attikageschoss übernommen. Diese Verkehrsflächen dienen auch als Warte- und allgemeine Kommunikationsräume - notwendige Funktionen für eine Einrichtung, wie die Handwerkskammer, die eine umfängliche Beratungsaufgabe für ihre Mitglieder zu erfüllen hat. Im neu aufgesetzten Attikageschoss gruppieren sich um diesen Flur eine große Anzahl kleiner, kabinenartiger Räume für Einzelberatungen, die Diskretion erfordern. Hier befindet sich auch ein moderner Besprechungsraum mit der erforderlichen technischen Einrichtung, sogar eine kleine Dachterrasse hat sich noch einfügen lassen. Zu erwähnen ist auch die, im Attikabereich, untergebrachte Lüftungs- und Klimazentrale, die spezielle Bereiche des Gebäudes versorgt. Eine allgemeine Klimatisierung ist nicht vorgesehen.

Die Innengestaltung wurde entsprechend den jeweiligen Funktionsbereichen modifiziert. Wo es ging, wurde die einfache Stilrichtung der Substanz beibehalten, die aus der Wiederherstellungsphase der Nachkriegszeit herrührte, teilweise mit "geretteten" Ausbaumaterialien. Von den reichen künstlerischen Gestaltungselementen der Erbauungszeit war innen nichts mehr vorhanden. Aus dem Wiederaufbau stammte lediglich der sogenannte Handwerkerfries, der nun wieder das Innenfoyer des Erdgeschosses umrandet. Den ebenfalls hier liegenden Veranstaltungsräumen wurde durch einige Holzelemente, einen Parkettboden und eine gut proportionierte Deckenkehle eine zurückhaltend freundliche Eleganz verliehen. Zu erwähnen sind auch die sauber gearbeiteten Holztüren. Die Arbeitsbereiche wurden funktionsgerecht, ohne gesteigerten Aufwand, hergerichtet. Durch eine derartige vernünftige Herangehensweise von Bauherren und Planern konnte auch der Kostenrahmen gehalten werden.



Das "Haus des Handwerks" hat in erneuerter, schönerer Gestalt wieder in den Kreis der bedeutenden Bauwerke Magdeburgs zurückgefunden. Dieser Gesamteindruck konnte den Kommentaren der Besichtigungsteilnehmer entnommen werden. Nun wünscht man der Handwerkskammer, nachdem sie sich ein derartig eindrucksvolles Domizil schaffen konnte, dass sie auch eine glückliche Hand bei der Vergabe der öffentlichen Gaststätte, die zum Nutzungskonzept gehört, hat.

Ein herzliches Dankeschön an die Handwerkskammer Magdeburg und das Planungsbüro Dr.Ribbert Saalmann mit ihren Vertretern Romy Meseberg und Ole Saalmann, gleichermaßen auch an unser AIV-Vorstandsmitglied Angelika Brezinski für die Gestaltung eines informativen, interessanten AIV-Treffs.


Erich Deutschmann