AIV- Treff 4.Juni 2013 – Stadtentwicklung in Magdeburg-Salbke
mit Besichtigung des historischen Wasserturms


Wieder stand ein bauhistorisch – und darüber hinaus – heimatgeschichtlich interessantes Thema auf der Einladung zu diesem AIV-Treff und dementsprechend hatten sich zahlreiche Mitglieder des AIV-Magdeburg und Gäste auf der Baustelle eingefunden. Am meisten gespannt waren alle auf die Besichtigung des über 40m hohen Turmes aus dem Jahr 1895 und auf den Ausblick, der sich von der oberen Plattform ergeben würde, denn im Turm selbst war wohl bisher kaum einer der Besichtigungsteilnehmer. Viel zu lange war diese attraktive Landmarke, das auffälligste Wahrzeichen Salbkes, einfach dem Verfall preisgegeben.


Erwartet wurden wir bereits von Herrn Nippe, dem Projektverantwortlichen vom Kommunalen Gebäudemannagement der Stadt Magdeburg (KGM) als Vertreter des Auftraggebers, sowie von Frau Kossel und Herrn Püchner vom Magdeburger Planungsbüro Kossel und Partner, verantwortlich für die Planung und die Bauleitung des Vorhabens. Nachdem der 1.Vorsitzende des AIV-Magdeburg, Friedrich Koop, die Anwesenden begrüßt hatte, gab unser Vereinsmitglied, der Beigeordnete der Stadt Magdeburg für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr, Dr.Dieter Scheidemann, einen Überblick zur langwierigen und komplizierten Problematik dieses, besonders für den Südosten der Stadt, wesentlichen Vorhabens. In den Medien konnte man das jahrelange Ringen um eine Sanierung und eine Nachnutzung verfolgen, bis dann endlich im Jahr 2010 der Turm mit dem umgebenden Gelände in die Hände der Stadt kam. Hier handelte man schnell, schließlich gab es Finanzierungsmöglichkeiten, die umgehend genutzt werden mussten. Letztendlich kamen 2,1 Mio Euro zusammen, wovon die EU 50% beisteuerte. Der Rest kam u.a. aus dem "Stadtumbau-Ost" und weiteren Quellen. Zuerst konnte man sich nur die Sanierung des Pumpenhauses und des Turmschaftes leisten, aber dann kam glücklicherweise noch Geld dazu, so dass dann auch noch das Turmdach erneuert werden konnte.

Bei der Führung durch das bereits seit dem Dezember 2012 in Nutzung befindliche Pumpenhaus konnte man von den Architekten und von den Vertretern des KGM viel über die vorhandenen Konstruktionen und deren z.t. recht komplizierte Sanierung erfahren und – wie es nun einmal bei derartigen Baumaßnahmen ist – es gab einige "Überraschungen"! Bei den Bauarbeiten wurden tiefliegende Gewölbe mit komplett erhaltenen historischen Installationen "entdeckt", die man längst zugeschüttet gaubte. Bei der wechselvollen Nutzung des Geländes (u.a. als Freibad) und der schon zur Bauzeit schnell voranschreitenden technischen Entwicklung gab es immer wieder Änderungen an der Anlage, was einige Bauteile dann "überflüssig" machte. Die Gewölbe sind für das Publikum nicht zugänglich, aber man hat zwei Fenster im Fußboden eingefügt, um wenigstens einen Blick in diese "Unterwelt" werfen zu können und das ist schon interessant genug.

An dieser Stelle wird es höchste Zeit, die Nutzung zu erwähnen und hier besonders die Nutzer! Es gibt in Magdeburg leider viele interessante denkmalwürdige Objekte, besonders im Bereich der Industriearchitektur, die keine Nutzer finden und damit (sichtbar!) dem Verfall ausgeliefert sind. Hier hat sich – glücklicherweise – der Betreiberverein H²OTurmpark e.V. gegründet, ein "Ableger" der sehr rührigen und erfolgreichen dieHO-Galerie aus Westerhüsen. Er will das Pumpenhaus einschließlich des "Turmparks" mit einer Fläche von ca. 13000 m² in ein Kulturzentrum verwandeln. Einige Aktionen wurden seit Dezember bereits durchgeführt, u.a. mit Künstlern unserer Partnerstadt Le Havre. Wünschen wir dem Verein weiter Erfolg – es wäre ein gutes Beispiel dafür, was Bürgersinn auszurichten vermag, wenn die Stadt unterstützend wirksam wird. Und dies scheint zu funktionieren.

Vom Pumpenhaus ging es dann in den Turm zu einer geführten Besichtigung, die aufgrund der Kapazität der Plattform gruppenweise erfolgen musste. Es war schon ein imposanter Anblick, der sich hier bot – die 3 hohen Geschosse mit den Stahlkonstruktionen, vor allem aber der mittig angeordnete Schornstein für die ehemals hier betriebenen Dampfmaschinen erregten Interesse. Die historische Wendeltreppe, eher eine Stiege, musste erklommen werden, ehe man auf die neue bequeme Treppe zur oberen Plattform umsteigen konnte. Obwohl sich der Aufstieg für manch einen als recht beschwerlich erwies, hier oben wurde man belohnt. Eine Rundumsicht über die Elblandschaft (die schon überfluteten Gebiete ließen, bei aller zusätzlichen Schönheit, doch bange Ahnungen aufkommen), und über den Südosten der Stadt bis hin zu den Sohlener Bergen war zu erleben, wie man sie bisher nicht kannte. Schade, dass es (zur Zeit!) technisch nicht möglich ist, die Aussichtsplattform für die Öffentlichkeit frei zu geben, es fehlt ein zweiter Fluchtweg, aber auch sonst gibt es einige Hinderungsgründe. Das Allerwichtigste ist jedoch, dass der Turm im, wahrsten Sinne des Wortes, gerettet wurde.


Bei dem abschließenden Imbiss im Freien, der alle Besichtigungsteilnehmer noch einmal zusammenführte, hörte man viele Worte der Anerkennung für die hier erbrachte Leistung aller an der Vorbereitung und Realisierung dieser Maßnahme Beteiligten, was vor allem den Beigeordneten, als entscheidenden Vertreter der Verwaltung, sichtlich erfreute.

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an das KGM, die Planer, das Baudezernat und nicht zuletzt an die Mitglieder des AIV, die diesen interessanten Nachmittag gestaltet haben.


Erich Deutschmann