AIV- Treff 9.Juli 2013 Ausbau Elbe-Havel-Kanal, Besichtigung mit dem Schiff



Bei herrlichstem Sommerwetter trafen sich 25 Mitglieder des AIV-Magdeburg an der Schleuse Hohenwarthe, um von einem Schiff aus den Ausbau des Elbe-Havel-Kanals zu erkunden. Es war wieder einmal eins dieser interessanten Wasserbauthemen zu dessen Behandlung der 1.Vorsitzende des AIV-Magdeburg, Friedrich Koop, im Berufsleben Amtsleiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg, geladen hatte. In seinen einführenden Worten erläuterte er zuerst die Gesamtproblematik der Verbindung des Mittellandkanals mit dem Elbe-Havel-Kanal und mit der Elbe, also des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg, auch mit dem geschichtlichen Bezug auf den bereits früher verworfenen Plan einer Staustufe in der Elbe. Dafür wurden dann seinerzeit das Schiffshebewerk Rothensee und die Schleuse Niegripp gebaut, nunmehr - im Rahmen des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr.17 - vervollständigt bzw. optimiert durch die Kanalbrücke über die Elbe, die neue Schleuse Rothensee und die neue Doppelschleuse Hohenwarthe, jeweils mit den erforderlichen Anschlüssen. Dazu kommt noch die, für den Magdeburger Hafen so wichtige Niedrigwasserschleuse. Nach nunmehr 10 Jahren Betriebszeit hat sich die Gesamtanlage bewährt. Die seinerzeitigen Prognosen für den Schiffsverkehr wurden zwar nicht erreicht, die Tonnagen, die hier bewegt werden, sind trotzdem aber beträchtlich.


Diesmal sollte nun der Elbe-Havel-Kanal mit den Schleusen Hohenwarthe und Zerben (ebenfalls ein Teil des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr.17), als ein Teilstück der Gesamtanlage, das Thema sein. Interessant war schon das Schiff, mit dem wir fahren sollten, ein Motorprahm, auf welchem wir dann, ohne jegliche Vibrationen, also "in aller Ruhe", den Kanal entlang "geschoben" wurden. Davor fand allerdings der Schleusungsvorgang statt, ca. 18m ging es in dem Schleusenbecken in die Tiefe, die Seitenwände wurden immer höher, es entstand ein fantastischer Raumeindruck. Nicht umsonst sind die hier alljährlich stattfindenden "Schleusenkonzerte" so faszinierend für ihre Besucher. Nachdem das Schleusentor gehoben war und wir durchfuhren (ohne die früher übliche "Nackendusche"), eröffnete sich vor uns der Ausblick auf eine bezaubernde Kanallandschaft
- herrliche Natur - von Menschen geschaffen, weiter entwickelt und ständig gepflegt.


Während der Fahrt gab es dann viele Informationen über den Kanal, abwechselnd von Friedrich Koop und Lothar Tölle, ehemaliger Sachbereichsleiter im Wasserstraßen-Neubauamt und bekannt durch seine Beiträge über die Elbschifffahrt in der Tagespresse. Der Elbe-Havel-Kanal, der sukzessiv von seiner Ursprungsbreite von ca. 35m auf 55m verbreitert und in seiner Tiefe von 3,50m auf 4,00m vertieft wird, damit, ebenso wie auf dem Mittellandkanal, Großmotorschiffe von 110m Länge und 2000 t Nutzlast bzw. Schubverbände mit 185m Länge und einer Nutzlast bis zu 3500 t im uneingeschränkten Begegnungsverkehr hier fahren können, bot viel Stoff für interessante Details. Hier ging es um die verschiedenen Kanalprofile, die Sohlenausbildung, die verschiedenen Uferbefestigungsarten, aber und das nicht zuletzt auch um ökologische Fragen, z.B. um eine wildtierfreundliche Uferausbildung. Es ging aber auch um die Konstruktion der zahlreichen Brücken, 18 sind es, die fast alle erneuert werden mussten. Als Stahl-Bogenbrücken, durchweg blau lackiert, bieten sie einen besonders freundlichen Anblick in der Kanallandschaft.


Nach einem schmackhaften Mittagessen an Bord näherten wir uns dann der Baustelle der Schleuse Zerben. Hier gingen wir an Land und widmeten uns den konstruktiven Besonderheiten der Schleusenkammer, die, parallel zu einer bereits vorhandenen, aber nicht mehr normgerechten Schleusenkammer in, fugenloser Bauweise errichtet wird, baugleich zur Schleuse im brandenburgischen Wusterwitz. Die Abmaße der Kammer gewährleisten dann die Durchschleusung der gleichen modernen Schiffstypen wie im übrigen Kanalbereich. Die Fallhöhe beträgt 5,50 m. Bemerkenswert ist auch das hier zum Einsatz kommende moderne Multiport-System, das mit 276 Fülldüsen eine turbulenzarme Befüllung der Schleusenkammer ermöglicht. Nach einer Information in der Bauleitung mit Einsicht in die Planungsunterlagen ging es auf die Rückfahrt, wo bei Kaffee und Kuchen die Information des Hinweges sich zu einer Diskussion hin entwickelte, die dann auch solche Themen wie das letzte Hochwasser berührte.

Bald näherten wir uns dem Ausgangspunkt der Fahrt und damit dem Ende eines besonders interessanten und angenehmen AIV-Treffs. Ein herzliches Dankeschön für die fachliche und organisatorische Gestaltung geht hiermit an unseren 1.Vorsitzenden Friedrich Koop und seinen Fachkollegen Lothar Tölle und an die Schiffsbesatzung mit den beiden Schiffsführern und nicht zuletzt an die emsige und freundliche Stewardess, die uns so gut verköstigte.


Erich Deutschmann