AIV- Treff 2.Oktober 2013 - Besichtigung Katharinenturm
















Quelle Wobau Magdeburg
Lang ersehnt war die Wiederherstellung des ehemaligen "Hauses der Lehrer" und damit das Verschwinden eines "Schandflecks" am Nordabschnitt des Breiten Weges. Dank der Einsicht der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg (Wobau), an dieser Stelle - trotz des nicht gerade günstigen Zuschnitts der Geschossflächen eines turmartigen Gebäudes - zu investieren und das Gebäude den heutigen technischen Standards und den veränderten Nutzungsanforderungen anzupassen, sowie den in die Jahre gekommenen Fassaden wieder neuen Glanz zu verleihen, konnte der ansonsten weitgehend sanierte Nordabschnitt des Breiten Weges gestalterisch wieder geschlossen werden. Es war auch dringend notwendig, denn schließlich stellt dieses Bauwerk einen Ankerpunkt des einzigen Fußgängerbereiches der Innenstadt dar.



Wie dieses Vorhaben gelungen ist, interessierte dann auch viele Mitglieder des AIV- Magdeburg, leider mussten, nach Erreichen der vereinbarten Höchstteilnehmerzahl von 30 Personen noch einige Absagen erteilt werden. Aber so ist es nun einmal, wenn eine Baumaßnahme kurz vor der Vollendung steht, da stellen größere Gruppen "Betriebsfremder" einfach eine Behinderung des dann besonders drängenden Bauablaufs dar. In zwei Gruppen von je 15 Teilnehmern, dazu zeitversetzt, wurden wir zuerst von Andreas Moder von der Wobau in die Problematik dieses Vorhabens eingeführt. Nebenbei konnte man immer schon mal einen Blick auf den, jetzt Katharinenturm - in Anlehnung an die leider in den 60-er Jahren ohne triftigen Grund hier abgerissene Katharinenkirche - genannten Bau mit der neuen, unaufdringlich eleganten, Fassade werfen. Er wirkte schon immer zentrierend inmitten der langen, massiv wirkenden Wohnblöcke, aber jetzt noch eindringlicher durch die dunklere Farbgebung. Eine Überraschung gab es dann noch, als Siegfried Schmidt, der Bauleiter des Ursprungsgebäudes auch noch zu Wort kam und über Einzelheiten der von 1966 bis 1970 durchgeführten Baumaßnahme berichtete. Den Entwurf lieferte damals der bekannte Architekt Johannes Schroth, ehemals Mitglied im AIV.



Theorethisch gut vorbereitet ging es nun an die Besichtigung des Gebäudeinneren, wobei mit Erleichterung aufgenommen wurde, dass beide Aufzüge zur Verfügung standen und man nicht auf ein mühseliges Treppensteigen in dem zwölfgeschossigen Gebäude angewiesen war. Faszinierend war dann auch, wie immer eigentlich bei so hohen Gebäuden, der Ausblick durch die Glaswände der Konferenzetage auf die Stadt. Schade, dass die Gegebenheiten des Gebäudes hier keine Nutzung für gesellige Veranstaltungen zulassen, aber als Austragungsort für Konferenzen in einem besonderen Ambiente werden diese Räumlichkeiten sicherlich nachgefragt sein.Die darunter liegenden beiden Obergeschosse (10. und 9.) enthalten jeweils zwei komfortable Wohnungen von ca.120 m2 Wohnfläche, jede mit einer geräumigen Loggia an den Gebäudeecken, deren Außenseite, je nach Bedarf, auch geschlossen werden kann. Überhaupt wurde auf die Ausbildung der Fassade vom federführenden Planungsbüro, der Obermeyer Planen & Beraten GmbH in Verbindung mit der Euro Fassadentechnik GmbH, großer Wert gelegt. Sie wurde nach dem "Kastenfensterprinzip" konstruiert, d,h. die innere Isolierverglasung erhält außen eine sogenannte Prallscheibe. Dazwischen befindet sich die Jalousie. Es wurde hierbei besonders auf den sommerlichen Wärmeschutz geachtet. Die Herstellung der komplizierten und teilweise recht großflächigen Fassadenelemente erfolgte bei dem Metallbau Windeck in Kloster Lehnin. Gleichermaßen kompliziert war auch die Gebäudetechnik des Vorhabens und hier insbesondere der Brandschutz. Erschwerend kam noch hinzu, dass während der Bauzeit die Vorschriften für Gebäude dieser Kategorie geändert und (natürlich!) verschärft wurden. So sind z.B. alle Räume an die Sprinkleranlage angeschlossen, für die ein 160 m3 fassender Wasserbehälter installiert werden musste. Ein speziell ausgebildeter Feuerwehraufzug gehört neben anderen vielen anderen Komponenten ebenfalls zur Spezialausrüstung des Gebäudes. Die Unmenge von Leitungen aller Art unter den Decken ließ den technischen Aufwand deutlich erkennen.



Mit diesen Informationen versehen kamen wir dann über die Büroetagen, die vom 1. bis 8.Obergeschoss den Hauptanteil der Mietfläche von 5400 m² bilden, über die Freitreppe zum Breiten Weg in das Erdgeschoss, in dem ein Supermarkt von 900 m² und 4 Ladengeschäfte vorgesehen sind. Hierfür konnten 50 PKW-Stellplätze am Gebäude angeordnet werden. Ansonsten müssen die in der Nähe befindlichen Parkplätze mit 300 bzw. 450 Stellplätzen benutzt werden.

Die Erwartungen, die wir AIV-Mitglieder im Vorfeld der Besichtigung gehegt hatten, haben sich erfüllt. Aus dem in jeder Hinsicht verschlissenen Prestigebau des Jahres 1970 ist durch die an der Baumaßnahme Beteiligten ein elegantes, modernes Mehrzweckgebäude mit einer wesentlichen städtebaulichen Bedeutung geschaffen worden. Unser Dank gilt der Wobau, dass sie uns, trotz der Termindichte der Endphase, diese Besichtigung ermöglicht hat.


Erich Deutschmann