Geselliger Herbstabend des AIV-Magdeburg am 14.November 2014



Einige von unseren Mitgliedern werden das "Kulturzentrum Moritzhof" noch nicht gekannt haben, wo unser traditioneller Herbstabend diesmal stattfinden sollte und waren sichtlich erstaunt, welch anheimelndes Ambiente sich ihnen beim Betreten des historischen Bauernhofes bot. Die stimmungsvolle Beleuchtung um den noch vom Herbstlaub geschmückten Baum im Inneren des Vierseithofes sorgte für eine erwartungsvolle Atmosphäre. In der großen Feldsteinscheune mit den sorgfältig sanierten naturbelassenen Wänden und dem sichtbaren Dachtragwerk waren runde Tische aufgestellt, die Bühne war schon hergerichtet, sogar die gerade erst fertiggestellte Fußbodenheizung funktionierte tadellos, und wo das Büfett aufgebaut werden sollte, war auch schon zu erkennen. Unser 1.Vorsitzender Friedrich Koop eröffnete mit freundlichen Worten die Veranstaltung. Und dann sollte einer der drei Vorstände des Betreibervereins des "Moritzhofes", der bekannte Kabarettist Lars Johansen – wie in der Einladung angekündigt – "uns auf launige Art mit dem Moritzhof als Magdeburger Besonderheit bekannt machen". Aber da war wohl etwas dazwischen gekommen, er war nicht da. Da war guter Rat teuer! Also warten, telefonieren usw….! Glücklicherweise hatten die vier Damen des ABEMA-Streichquartetts, die für den zweiten Programmpunkt vorgesehen waren, ein Herz für uns und zogen ihren Auftritt vor. Anke van de Veen und Beate Opolka(Violine), Magdalena Engel(Cello) und Anke von Fabeck(Viola) – sämtlich Mitglieder der Magdeburgischen Philharmonie – wollten uns mit "Närrischem für Streichquartett" unterhalten, "das was einem Musiker durch den Kopf geht…".! Hier war es "Die kleine Nachtmusik" von Mozart, die für "allerhand Närrisches" herhalten musste. Es war schon erstaunlich mittels wie vieler "Versatzstücke" die "Kleine Nachtmusik" aufgepeppt werden kann, was da an Anleihen von anderen Komponisten eingebaut wurde, mit durchaus flüssigen Übergängen, überraschte schon. Dazu kamen auch noch slapstickartige Einlagen, es machte einfach Spaß, so dass nach jedem der vier Sätze einfach Beifall geklatscht werden musste, entgegen der, ach so strengen, "Applaudierordnung" in deutschen Konzertsälen. Nach diesem Vortrag gab es eine "Preisverleihung" für die oder den, die die eingebauten "Anleihen" erkannt hatten und, erstaunlicherweise, es gab jemanden. Die Gattin unseres 2.Vorsitzenden bekam den "Preis" übereicht, sie hatte alles gewusst, was dann auch einen Sonderapplaus wert war. Im zweiten Teil gab es dann von Paul Hindemith, einem berühmten deutschen Komponisten der Moderne, Einiges aus dessen "etwas rauer Atonalität", gleichfalls vergnüglich aufbereitet, zu hören. In Erinnerung an das Wagnerjahr 2013 gab es eine musikalische Parodie für Streichquartett aus dem Jahr 1925 mit dem etwas umständlichen Namen "Ouvertüre zum Fliegenden Holländer wie sie eine schlechte Kurkapelle morgens um 7 am Brunnen vom Blatt spielt". Zu den musikalischen Scherzen des Komponisten (mit diversen "Seitenhieben" versehen) kam die vergnügliche Darbietung der Musikerinnen. Sie hatten ihre Kleidung entsprechend modifiziert und mit Mimik und Gestik kräftig nachgeholfen. Das Ganze wurde dazu mit hoher musikalischer Präzision geboten, bekanntlich sind solche Parodien schwerer zu gestalten, als das Mitspiel in einem Sinfonieorchester – und das hat es schon in sich. Dazu kam noch die Moderation von Beate Opolka, die die Übergänge zwischen den einzelnen Stücken informativ und humorvoll gestaltete. Es war Unterhaltung auf hohem Niveau, die uns hier geboten wurde. Der Beifall für die ganze Darbietung war entsprechend groß und man erwartete- wie allgemein üblich – noch eine Zugabe, die auch bestimmt gekommen wäre, als unser verspäteter Lars Johansen, vom Saaleingang herkommend, in seiner raumgreifenden Art die Bühne besetzte, um sofort seinen, durchaus humorvollen, Beitrag über den "Moritzhof" zu beginnen. Es war etwas schade, dass die musikalische Verzauberung hiermit zu plötzlich ein Ende fand. Doch das Interesse wandte sich nun der Geschichte des "Moritzhofes" zu. Der jetzige Zustand stammt aus der "Franzosenzeit", als die Neue Neustadt entstand. Das in diesem Namen enthaltene Paradoxon weidete Lars Johansen dann auch genüsslich aus – wo gibt es schon eine Alte und eine Neue Neustadt. Aber der Hof, der bis in die DDR-Zeit hinein als Bauernhof bestand, hatte auch eine wechselvolle Geschichte, bis zur heutigen Nutzung als "Kulturzentrum Moritzhof". Dem voraus ging eine umfängliche Sanierung durch die Stadt Magdeburg, bis hin zu dem gerade erfolgten Einbau einer Fußbodenheizung in der "Scheune", dem größten Veranstaltungsraum. Es ließe sich viel Lobendes über die Leistungen dieser, vom Verein" ARTist!e.V." mit Unterstützung der Stadt betriebenen Kultureinrichtung sagen, aber dazu reicht hier nicht der Platz. Der Verein gibt allerdings genügendes, künstlerisch ausgestaltetes Werbematerial heraus – und wer einmal da war – kommt bestimmt wieder. Ein erfolgreich Werbender ist, das hat er wieder einmal bewiesen, Lars Johansen, dem für seine interessanten Ausführungen ebenfalls mit herzlichem Beifall gedankt wurde. Nach so viel kultureller "Beanspruchung" wurde nun dem Büfett kräftig zugesprochen. Bei interessanten Gesprächen ging der Abend dann seinem Ende entgegen und man konnte, nicht ohne den romantischen Hof noch einmal zu bewundern, den Heimweg antreten. Es war ein Herbstabend mit einem interessanten Programm an einem interessanten Ort. Ein herzliches Dankeschön gilt dem bewährten Organisationsteam des AIV-Magdeburg, aber auch Heinz Karl Prottengeier für die Auswahl des Veranstaltungsortes "Moritzhof" und Gernot Siewert für den Programmvorschlag "ABEMA-Quartett.

Erich Deutschmann