Sanierung der Anna-Ebert-Brücke

Eines der bedeutendsten Ingenieurbau-Denkmale unseres Landes, die Magdeburger Anna-Ebert-Brücke, war Thema am 21. Juni. Unser AIV ließ sich von Dr. Johannes Bach, dem Leiter des beauftragten Ingenieurbüros in Pretzien, einen Überblick über die aktuellen Sanierungsarbeiten geben. Mit dabei waren auch vom Tiefbauamt Haiko Schepel, der Projektleiter für das Vorhaben "Notsicherung Anna-Ebert-Brücke" und Karsten Eins, der Projektleiter des Großbauvorhabens "Neuer Strombrückenzug", uns bestens bekannt durch seinen Vortrag bei unserem Diskussionsabend am 13. Dezember 2016. (beide im 1. Bild hinter Dr. Bach)



Die 1882 eröffnete Brücke hat im 2. Weltkrieg und mehr noch durch unzureichende und unsensible Bauunterhaltungsmaßnahmen in der DDR-Zeit stark gelitten. Die denkmalsgerechte Instandsetzung stellt sich zunehmend als eine schwierige, aber gerade deshalb hochinteressante, Baumaßnahme dar. Zunächst muss die Ertüchtigung der Tragkonstruktion erfolgen, damit die Brücke überhaupt benutzbar bleiben kann. Erst nach Fertigstellung des neuen Strombrückenzugs kann auch die Brückenoberseite saniert werden, die ja bis dahin befahren werden muss. Dann erst ist die Brücke wieder vollständig und kann weitere hundert Jahre genutzt werden.



Wichtig ist die Trockenlegung der Ziegelsteingewölbe, zumal von der Oberseite her das weitere Eindringen von Wasser nicht ausgeschlossen werden kann. Je Bogen wurden hierzu 2500 Handbohrungen über Kopf in die Ziegelsteine bislang ausgeführt. Und das muss für alle weiteren Bögen fortgesetzt werden. Etliche stark verrottete Sandsteine, die das Erscheinungsbild der Brücke prägen, müssen erneuert werden. Dazu ist es erforderlich, dass neue exakt gefertigte und in Geometrie, Farbe und Oberflächenstruktur identische Sandsteine bestellt und geliefert werden. Weniger beschädigte Steine werden in mühevoller Kleinarbeit vor Ort ausgebessert und das oft mit Spachtel und Zahnbürste.


Dr. Bach, der seine Erfahrungen aus der Sanierung des Pretziener Wehrs mitbringt, merkt man an, dass für ihn Denkmalsschutz nicht eine lästige Notwendigkeit, sondern ureigenes Engagement ist.
So kann erwartet werden, dass das Denkmal Anna-Ebert-Brücke im nächsten Jahrzehnt wieder den Stellenwert gründerzeitlicher Ingenieurbaukunst erreicht und als ein Highlight unserer Stadt verstanden werden kann.



Heinz Karl Prottengeier