Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreis für das Bauwerk des Jahres 2012 Niederschrift über die Jurysitzung am
03.09.2013

Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreis
Preisverleihung für die Bauwerke des Jahres 2012
7.November 2013, 17.00 Uhr im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen



Die alljährliche Verleihung des Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreises fand diesmal an einem besonderen Ort statt im Kunstmuseum Kloster unser Lieben Frauen Magdeburg, im oberen Ausstellungssaal, zwischen den gerade ausgestellten meisterlichen Porträts des Fotografen Jim Rakete. Diesen interessanten Raum hatte die Leiterin des Kunstmuseums, Frau Dr.Annegret Laabs dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Die Einladung des AIV-Magdeburg Architekten- und Ingenieurverein zu Magdeburg von 1876 e.V -. hatte wiederum zahlreiche Interessenten bewegt diese mittlerweile als traditionell zu bezeichnenden Veranstaltung zu besuchen. Der 1.Vorsitzende des AIV-Magdeburg Friedrich Koop konnte in seinen einführenden Worten den Minister für Landes-entwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt Thomas Webel begrüßen, der, wie schon in den letzten Jahren, trotz äußerst knapper Terminlage, Zeit gefunden hatte die Preisverleihung vor-zunehmen, gemeinsam mit dem Beigeordneten für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit Rainer Nitsche, als Vertreter des Oberbürgermeisters der Stadt Magdeburg. Besonders begrüßt wurden auch die Vertreter unserer Sponsoren GETEC und SWM, Rollandy Horvath und Helmut Herdt, die bei der Auswahl der Preisträger bereits aktiv mitgewirkt hatten. Als Vertreter des Dezernates für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr war der Amtsleiter des Stadtplanungsamtes Joachim Olbricht ebenfalls unter den Gästen. Natürlich wurden auch die wichtigsten Teilnehmer der Preisverleihung, die Preisträger selbst, deren namentliche Aufzählung weiter unten im Text selbst-verständlich noch erfolgen wird, besonders herzlich begrüßt. Nicht unerwähnt bleiben sollen hier die aus Platzgründen namentlich nicht genannten Gäste, darunter auch zahlreiche Mitglieder des AIV-Magdeburg. Zum Ende seiner Ausführungen dankte Friedrich Koop den AIV-Mitgliedern, die an den Vorbereitungen dieser Preisverleihung beteiligt waren, insbesondere Dr.Ullrich Querfurth, der wie immer die koordinierende Funktion in dem gesamten Verfahren hatte und gleichzeitig die Hauptlast der dabei angefallenen Arbeit trug.



Inzwischen hatte sich der Saal so gefüllt, dass noch zusätzliche Stühle hereingebracht werden mussten. Es folgte das Grußwort des Ministers Thomas Webel, der in seiner offenen, die Dinge beim Namen nennenden Art, nach seinem Dank an den AIV, besonders über die Aufgaben der Architekten im Bereich der Baukultur referierte. Hier bezog er sich auf die Kreativität der Planer, bei den derzeitig doch etwas schmaleren Budgets, interessante und insbesondere nachhaltige Lösungen zu erarbeiten. Er ließ dabei aber auch die Aufgabe der Bauherren und schließlich der gesamten Gesellschaft bei der Schaffung einer hohen Baukultur im Land nicht aus. Als gelungene Beispiele nannte er dabei die hier für die Preisverleihung vorgesehenen Vorhaben. Für die bei der Lösung gezeigten Initiativen dankte er den Planern und den Bauherren. Die Ausführungen des Ministers wurden mit besonderem Beifall bedacht.

Wie sein Vorredner dankte der Beigeordnete Rainer Nitsche zuerst dem AIV für die Stiftung der Architektenpreise, um dann auf die Bedeutung der Kreativwirtschaft und hier speziell der Architektur einzugehen. Als Vertreter der Stadt wies er auf die Bedeutung des Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen hin, das sich im Schnittpunkt der mittlerweile weithin bekannten, touristisch bedeu-tenden "Straße der Romanik" befindet. Er wies danach auf den Stolz der Stadt Magdeburg auf die Standortentscheidung der östereichischen Firma GUNZ hin, ihr für den gesamten Norden Europas zuständiges Logistikzentrum in Magdeburg-Rothensee zu errichten und damit die strategische Bedeutung dieses Standortes zu würdigen. Ausdruck dieser Wertschätzung ist darum auch die hoch-wertige architektonische Gestaltung des Gebäudes. Als Ausdruck der Verbundenheit mit ihrem neuen Standort ist die großzügige Geldspende der Firma GUNZ zur Beseitigung der Hochwasserschäden zu sehen, für die sich der Beigeordnete im Namen der Stadt Magdeburg noch einmal herzlich bedankte.



Und dann begann auch gleich die Preisverleihung durch Minister Thomas Webel und den Beigeordneten Rainer Nitsche, schließlich war ein straffer Zeitplan vorgesehen. Zuerst wurde das Vorhaben Neubau GUNZ-Logistik-Zentrum ausgezeichnet. Werner Gunz, einer der beiden Geschäftsführer der Firma GUNZ, erhielt, als Bauherr, ein speziell angefertigtes Hauszeichen und die Urkunde. Die Vertreter der österreichischen und deutschen Planungs- und Ingenieurbüros erhielten Urkunden für ihre jeweiligen Planungsanteile:

Bauplanung
Objektplanung: hammer pfeiffer/Architekten, Lindau (D)
Projektsteuerung/Bauleitung: Exakt Büro für Bauwesen, Lustenau (A)


Fachplanung
Tragwerk: pnstatik, Dornbirn(A)
Heizung/Klimatisierung/Lüftung/Sanitär: Ender Klimatechnik GmbH/Hörburger GmbH, Altach (A)
Elektro: PPC-Planung, Lustenau(A)/Ingenieurbüro Siegling, Magdeburg
Außengestaltung: Ingenieurbüro Lange & Jürries, Magdeburg
Brandschutz: Dehne Kruse Brandschutzingenieure Gmbh&Co. KG, Gifhorn



Für das Vorhaben Sanierung Westflügel-Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen war der Bauherr das Kommunale Gebäudemanagement Magdeburg, hier durch den Betriebsleiter Heinz Ulrich und seine Abteilungsleiterin für Investitionen Doris Hinz vertreten. Unter dem Beifall des Publikums rief Heinz Ulrich aber noch Frau Dr.Annegret Laabs, die Hausherrin zum Empfang des Preises mit auf. Sie hatte wesentlich zur Preiswürdigkeit beigetragen und zusammen mit ihrem Personal auch noch die Last der Bauarbeiten bei laufendem Betrieb überstanden. Für die Planung wurden folgende Büros ausgezeichnet:

Bauplanung
Architektur: Hartkopf Denkmalarchitektur, OT Bennungen

Fachplanung
Tragwerk: Dr.Ing. V.Lind, Halberstadt
Heizung/Lüftung/Sanitär: Ingenieurbüro Dr.Lehmann, Möser
Elektro: Ingenieurbüro Breitmeier, Burg
Brandschutz: IBB Prof.Beilicke, Leipzig


Für den Preisträger GUNZ-Logistik-Zentrum hielt dann Ralf Pfeiffer von hammer pfeiffer/Architekten einen durch den Einsatz von Videotechnik besonders anschaulich gestalteten Vortrag über seine Planung, wobei er neben den gestalterischen und konstruktiven Einzelheiten besonders auf die Gestaltung der "Arbeitswelt" bei diesem Vorhaben einging. Nicht nur, dass die Verbindung zwischen Außenbereich und Gebäudeinnerem zur Südseite, der Straßen- und Anlieferungsseite, durch die hier schaufensterartig geöffnete Fassade gestalterisch sehr gelungen ist, auch die Verbindung zwischen Bürotrakt und Hallenbereich, sowie die Abgrenzungen der einzelnen Arbeitsbereiche in der Halle sind sehr offen gestaltet. Tageslicht für jeden Arbeitsplatz und die Auslegung des Mitarbeiterrestaurants mit einer offenen Terrasse sind weitere Beweise dafür, dass die Vorgaben eines sozial denkenden Bauherren durch die Planer optimal im Bauwerk verwirklicht wurden. Natürlich wurden von Ralf Pfeiffer auch die erheblichen gebäudetechnischen Aufwendungen für ein Gebäude mit immerhin 190.000 m Bruttorauminhalt verdeutlicht. Dass nach 20 Monaten Vorbereitungszeit nur 10 Monate Bauzeit dafür erforderlich waren, spricht ebenfalls für eine gelungene Planung.

Bei dem Preisträger Kunstmuseum Unser Lieben Frauen zeigt sich wieder einmal wie sinnvoll die Unterteilung des Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreises 2012 in ein Neubau- und ein Sa-nierungsvorhaben war, hier gab es nämlich ganz andere Probleme zu lösen, als bei einem Neubau. Regine Hartkopf schilderte in ihrem lebendigen, sehr persönlich gehaltenen Vortrag, die Baugeschichte ihres Vorhabens. Mit warmen Worten ging sie auf die Vorleistungen ihres älteren Kollegen, des bekannten Denkmalfachmannes Reinhard Rüger, ein, der 2006 einen Masterplan erarbeitete, den sie zuerst zusammen mit ihm in einer Architektengemeinschaft und dann, nach krankheitsbedingtem Ausscheiden von Reinhard Rüger, in eigenem Büro umsetzte. Sichtlich erfreut zeigte sich der unter den Gästen sitzende,wieder genesene Reinhard Rüger über die Leistungen seiner jungen Kollegin. Die Planung setzte sich aus einzelnen baulichen Sanierungs- und Funktionsverbesse-rungsbereichen, sowie dringlichen Sicherheitsmaßnahmen zusammen, zum Teil zeitlich getrennt, denn die erforderlichen Mittel standen auch nicht immer sofort zur Verfügung. Bei laufendem Betrieb wurden dann absolut unauffällig ein Aufzug und eine Nottreppe eingebaut. Für die bessere Erschließung des Dachgeschosses wurde die Haupttreppe erhöht, das Dach erhielt eine neue Konstruktion, unter teilweise widrigen Witterungseinflüssen, ein "Medienlounge" genannter Ausstellungsort kam hinzu, die Reihe der baulichen Maßnahmen ließe sich endlos weiterführen, so zum Beispiel die vollständige Barrierefreiheit, das umgestaltete Klostercafe usw. Dies alles mit einer neuen, komplizierten Haus und Sicherheitstechnik, die funktionieren, aber nicht gesehen werden soll, schließlich handelt es sich hier um ein wertvolles, historisch einmaliges Gebäude. All dies erforderte eine besondere Feinfühligkeit bei ständigem operativen Handeln unter laufender Mitwirkung der Hausherrin Dr.Annegret Laabs und diese Zusammenarbeit hat funktioniert das war bei den Worten von Regine Hartkopf zu spüren. Zum Schluss dieser baulichen Etappe, es warten ja noch weitere Arbeiten an einem derartigen baulichen Ensemble, kamen dann, als anschauliche Werbung für ein Bauwerk mit "überraschendem" Inhalt, die vieldiskutierten "Spiegelfenster" an der Westfassade dazu. Regine Hartkopf hat ausführlich geschildert, wie die Preisträger es geschafft haben, eine Baulichkeit fertig zu stellen, der man die vergangenen Probleme nicht ansieht und bei der man schon beim Eintritt ein angenehmes Gefühl hat, weil einfach alles zueinander passt.

Damit war der offizielle Teil beendet. In dem geräumigen neuen Foyer im Obergeschoss war ein nettes Buffet aufgebaut und die Gesprächsrunden hatten sich schnell zusammengefunden, bis dann Dr.Annegret Laabs zu einem sehr informativen Rundgang durchs Gebäude aufrief, bei dem man das vorher Gesagte in der Realität sehen konnte. Danach endete wiederum eine gelungene Preis-verleihung des "Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreises". Hier sei nochmals allen Dank gesagt, die die Vorbereitung und Durchführung ermöglicht haben, insbesondere den Sponsoren GETEC und SWM, der Leiterin des Kunstmuseums Fr.Dr.Annegret Laabs und nicht zuletzt den am Zustandekommen des Preises beteiligten Mitgliedern des AIV-Magdeburg.


Erich Deutschmann