Ausgezeichnet werden

in der Kategorie Neubau:
Hörsaal 6 der Otto von Guericke Universität am Schroteplatz

in der Kategorie Sanierung/Umnutzung:
Der Wasserturm in Salbke.


Ein Sonderpreis geht an die
Niedrigwasserschleuse im Magdeburger Hafen


Protokoll der Jurysitzung für den Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreis (Bauwerk des Jahres 2013) am 18.09.2014 im Hause der SWM


Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreis –
Preisverleihung für die Bauwerke des Jahres 2013















Am frühen Abend des 12.Novembers 2014 sah man auf dem Weg zur Verleihung des Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreises des AIV für die Bauwerke des Jahres 2013 schon von weitem das hell erleuchtete Foyer des neuen Hörsaals 6 der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität. Hier sollte die Verleihung stattfinden. Unterwegs sah man außergewöhnlich viele junge Leute, die hier ihrem Studium nachgehen – eine passende Einstimmung für das, was wir als AIV heute hier vorhatten. Einer unserer drei Preise sollte nämlich an den Hörsaal 6 gehen.

In dem großzügig gestalteten Foyer warteten Vertreter der ausgezeichneten Planungsbüros, der Ausführungsbetriebe mit den Bauherren, Vertretern des Landes und der Stadt und – natürlich – eine größere Gruppe AIV-Mitglieder auf den Beginn der Veranstaltung. Hierfür hatten Universität und AIV eine originelle Idee – die Preisverleihung begann im Hörsaal, inmitten einer Vorlesung. Friedrich Koop, der 1.Vorsitzende des AIV Magdeburg, wies in seinen einführenden Worten auf die Geschichte des Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreises und auf die Kriterien der Preiswürdigkeit eines ausgewählten Bauvorhabens hin, nicht ohne ausdrücklich auf die Sponsoren des Preises: GETEC Energie AG Magdeburg, Städtische Werke Magdeburg und Fischer Rechtsanwälte Magdeburg hinzuweisen, ohne deren Unterstützung der Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreis schwerlich hätte realisiert werden können. Üblicherweise werden ein Neubauvorhaben und ein Vorhaben aus dem Bereich Sanierung ausgewählt. Dieses Mal sollte auch noch ein Sonderpreis verliehen werden. Der Hausherr des Hörsaalgebäudes, Prof.Dr. Jens Strackeljan, Rektor der Otto- von- Guericke- Universität Magdeburg ergriff dann das Wort, um auf die Bedeutung des neuen Hörsaals speziell für die Standortfestigung des Lehrbereiches Humanwissenschaften in Magdeburg hinzuweisen (man kennt ja schon lange die nicht enden wollenden Begehrlichkeiten aus Halle, besonders, wenn es um die Human- und Geisteswissenschaften geht). In diesem Zusammenhang hob er die besonderen baulichen Qualitäten des Gebäudes für den für den Lehrbetrieb hervor und die damit einhergehende Attraktivitätssteigerung des Studienortes Magdeburg. Als eine besondere Würdigung betrachtet der AIV-Magdeburg die Teilnahme des Ministers für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen Anhalt, Thomas Webel, der auch dieses Jahr einen Platz in seinem engen Terminkalender für die Preisverleihung finden konnte. In Erinnerung an seine Studienzeit berichtete er in launiger Art – wohl besonders an die anwesenden Studenten gerichtet, die bei recht komfortabler Unterbringung ihr Studium absolvieren können, über die wenig anheimelnden Baulichkeiten des damaligen Lehrbetriebes. Damit begann die Preisverleihung durch Minister Thomas Webel und den Beigeordneten für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr der Stadt Magdeburg, AIV-Mitglied Dr.Dieter Scheidemann, an die Bauherren. Jeder Bauherr erhielt zur Preisurkunde eine künstlerisch gestaltete Plakette, die, möglichst sichtbar angebracht, an die Auszeichnung seines Bauwerks erinnern soll. In der Kategorie Neubau nahm Rektor Prof.Dr. Jens Strackeljan, unter dem Beifall der Studenten und der Gäste, den Preis für den Hörsaal 6 der Otto-von-Guericke-Universität entgegen. Durch den eleganten Baukörper in seiner unverwechselbaren Form wurde dem auch als Schroteplatz bezeichneten Bereich der Universität endlich der bisher fehlende Schwerpunkt gegeben. In seiner Laudatio ging Beigeordneter Dr.Dieter Scheidemann auch auf die besondere Bedeutung der Universität für die Stadt Magdeburg ein, wobei er sie – an die Studenten gerichtet – als Motor der Stadtentwicklung bezeichnete. In der Kategorie Sanierung ging die Auszeichnung an das Vorhaben Wasserturm Salbke. Für den Bauherren, die Landeshauptstadt Magdeburg, nahm Heinz Ullrich, Leiter des Kommunalen Gebäudemanagements, den Preis entgegen. Der lange Zeit verwahrloste Wasserturm der ehemaligen Reichsbahn war schon seit seiner Entstehung, Ende des 19.Jahrhunderts, ein Wahrzeichen des südöstlichen Magdeburgs, besonders des Stadtteils Salbke. Nun ist er nach seiner Sanierung auch eine, bereits über die Stadtteilgrenzen hinaus, bekannte Kultureinrichtung geworden. Den Sonderpreis nahm der amtierende Amtsleiter des Wasserstraßenneubauamtes Christian Ruszczynski für den Neubau der Niedrigwasserschleuse Magdeburg im Rothenseeer Verbindungskanal entgegen. Die Bedeutung dieses Bauwerks für die Wirtschaft Magdeburgs kann nicht hoch genug bewertet werden. Entstanden im harten Kampf gegen eine Vielzahl von Hochwassern im Jahr 2013, was erhebliche operative Ingenieurleistungen erforderte, sorgt sie nun - endlich - ganzjährig für ausreichende Wassertiefen im Magdeburger Hafen. Obwohl ein reines Ingenieurbauwerk, bildet sie doch mit ihren vier imposanten, von weitem sichtbaren, Schleusentürmen für die Schifffahrt ein architektonisch wirksames Eingangstor in den Magdeburger Hafen und damit in die Stadt Magdeburg.

Um den Vorlesungsbetrieb nicht weiter zu unterbrechen, zogen sich die Gäste zum weitere Ablauf der Preisverleihung in das Foyer zurück, welches neben seiner transparenten, filigran gestalteten Fassade als Besonderheit eine wahrhaft klassische Schriftgestaltung an der Betonwand zum Hörsaal aufweist – ein Hingucker mit hoher Symbolkraft. Hier erhielten dann die Planer der ausgezeichneten Bauwerke ihre Urkunden. Sie hatten dabei die Gelegenheit, sich zu ihren Werken zu äußern. Für die Architektur, die Tragwerksplanung und die Raumakustik des Hörsaals 6 erhielt das Magdeburger Büro der pbr AG die Urkunden. Weitere Urkunden für dieses Vorhaben erhielten: das Ibb Ingenieur-Büro K. Bortfeld GmbH Magdeburg für die Außenanlagenplanung, die Scholze Ingenieurgesellschaft mbH, Dresden für die HLS-Planung und die Planungsgruppe M+MAG, Dresden für die Elektroplanung. Jörg Rasehorn beschrieb dann, nach der Vorstellung seines Büros, die Besonderheiten der Planung, beginnend mit der Gestaltung des hufeisenförmigen Gebäudes, bei dem aus dem geschlossenen, kompakt wirkenden Halboval des Hörsaals das niedrigere, kräftig ausgebildete Foyerdach scharfkantig herauskragt. Durch die vollständig in Glas aufgelöste Fassade scheint es über dem Raum zu schweben, dass es von den schlanken, farblich unauffälligen Säulen mitgetragen wird, bemerkt man kaum und – was sehr wichtig ist – die Studenten finden hier in angenehmer Atmosphäre zwischen den Vorlesungen genügend Platz für Kommunikation und intensive Arbeit. Durch seine kontrastreiche und trotzdem verbindende Gestaltung – in Form und Farbe – setzt sich das Hörsaalgebäude deutlich von der vorwiegend orthogonalen und monochromen Nachbarschaft ab. Ausführlich widmete er sich danach den Eigenschaften des Hörsaals, so der Akustik und der blendfreien Belichtung und einem wichtigen Faktor, der Barrierefreiheit. Mit einem Dank an alle Mitwirkenden am Bau und dem Hinweis aufeine ca. 90%-ige Beteiligung sachsenanhaltischer Firmen schloss er seine Ausführungen. Es folgte die Übergabe der Urkunde für die Objektplanung des Wasserturms Salbke an das Büro Kossel und Partner, Architekten/Ingenieure, Magdeburg. Die weiteren Urkunden erhielten die Ingenieurgesellschaft Günther + Schneider, Magdeburg für die Tragwerksplanung, das Planungsbüro Erhard Bahrke, Magdeburg für die HLS-Planung und das Ingenieur-Büro Hanusch Köhler Mundt, Magdeburg für die Elektroplanung. In ihren sehr persönlich gehaltenen Ausführungen – man merkte ihr die Freude über die gelungene Arbeit an – berichtete die Geschäftsführerin des Büros Kossel und Partner, Irmtraut Kossel, über die vielen Überraschungen, die diese historische Anlage bot, es ging um Stabilisierungsmaßnahmen, um verschüttet geglaubte Gründungsbereiche, die sich dann als große, intakte Gewölbe mit gut erhaltenen technischen Anlagen aus der Erbauungszeit herausstellten, ein zusätzliches Raumreservoir für spätere Zeiten. Es ging aber auch um den Abriss unpassender Anbauten aus späterer Zeit, was den Raumbedarf der Nutzer gefährdete, aber dann durch das Einziehen einer zweiten Geschossebene in dem zugehörigen Pumpenhaus kompensiert werden konnten. Es war insgesamt eine komplizierte, aber freudvolle Arbeit, die Irmtraut Kossel und die Fachplaner hier zu bewältigen hatten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – innen und außen – und man kann neben kulturellen Angeboten auch, nach einem Aufstieg in die geräumige Turmkuppel, die herrliche Elblandschaft bewundern. Für viele Magdeburger ist damit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gegangen, komplett geplant und ausgeführt von Magdeburger Firmen. Die Urkunden für die Entwurfsplanung der Niedrigwasserschleuse Rothensee gingen an das Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg, an Krebs und Kiefer Beratende Ingenieure für das Bauwesen GmbH, Darmstadt, an Spezialbau Engineering GmbH Magdeburg und das Ingnieurbüro Klaus Kümmel Bitterfeld-Wolfen. Für die Ausführungsplanung gingen sie an grbv Ingenieure im Bauwesen GmbH&Co KG Hannover, Ingenieurplanung Dr.Blum, Rostock, Ingenieurbüro für Baustatik Dipl.Ing.Janßen, Oldenburg, Actemium Cegelec GmbH Magdeburg und Eriksen Gesellschaft für Ingenieurplanung Hannover. Den Vortrag zu diesem Bauwerk hielt Joachim Preuß, der Baubevollmächtigte des Wasserstraßenneubauamtes Magdeburg. Er begleitete „sein“ Bauwerk von Anfang an und musste dabei auch die Übersicht über alle Planungsleistungen der o.g. Büros behalten. Er berichtete von den jahrzehntelangen Bemühungen das Problem der häufig zu niedrigen Elbwasserstände so zu lösen, dass der Magdeburger Hafen ganzjährig genutzt werden kann, nämlich durch den Bau einer Schleuse im Eingang zum Hafen. Planungen dazu gab es schon in den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, sogar ein Baubeginn fand statt, aber ein funktionsfähiges Bauwerk zu errichten blieb der heutigen Zeit vorbehalten. Auch wenn der maximale Hub zwischen Hafenbecken und Elbpegel nur maximal 1,86m beträgt, mussten erhebliche Ingenieurleistungen aufgebracht werden, um dieses Problem zu lösen. Hinzu kam das Problem mit den außerordentlich hohen Wasserständen während der Bauzeit. Sie erforderten – neben den Leistungen während der Planungsphase – ständig komplizierte und umfängliche operative Ingenieurtätigkeiten um das bereits Gebaute vor den Wassermassen zu schützen und damit den Baufortschritt zu sichern. (Niedrige Elbwasserstände, die normalerweise sonst so häufig sind, hätten mehr Baufreiheit gebracht!) Hier war ständig Kreativität gefragt. Wenn man das so schon imposante Bauwerk mit dem für größte Elbschiffe und Schiffsverbände ausgelegten Becken und den 4 hohen Schleusentürmen sieht, ahnt man nicht, welche riesigen Erdbewegungen während der Bauzeit hierfür erforderlich waren und wieviel Baumaterial wirklich verbaut werden musste. Der Sonderpreis ging hiermit an eine wahrhafte ingenieurtechnische Meisterleistung.

Damit wurden die, jeweils mit Beifall bedachten Beiträge der ausgezeichneten Planungsbüros, beendet und man widmete sich, durch ein gut ausgestattetes Büfett unterstützt, einer lebhaften Diskussion unter Fachleuten. Allgemein wurde festgestellt, dass durch die jährliche Verleihung des Architekten- und Ingenieurpreises des AIV-Magdeburg eine stetig steigende Qualität (und Quantität!) der auszeichnungswürdigen Bauwerke aufgezeigt werden kann. Die Preisträger mussten aus einer großen Anzahl von ebenfalls infrage kommenden Mitbewerbern gekürt werden. Das ist ein gutes Zeichen, ebenso dass die AIV-Preisverleihung inzwischen zu einer festen Größe im gesellschaftlichen Leben der Stadt Magdeburg geworden ist. Allen, die an der Vorbereitung und Durchführung dieses Ereignisses beteiligt waren, ausdrücklich nochmals den zum Anfang bereits genannten Sponsoren, sei an dieser Stelle herzlich gedankt.


Erich Deutschmann