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Motel One Domplatz




Budenberg Loft Buckau






Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreis für das Bauwerk des Jahres 2014 Niederschrift über die Jurysitzung am
16.09.2015, 18.00 Uhr



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Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreis Preisverleihung für die Bauwerke des Jahres 2014



Irgendwie scheint der sonst so graue Monat November die geeignete Zeit für die alljährliche Verleihung des "Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreises" (MAIP) des "AIV – Architekten- und Ingenieur-Verein zu Magdeburg" (AIV) zu sein. Der Austragungsort (meistens ein Preisträger!) ist hell erleuchtet, das Publikum ist erwartungsvoll gestimmt. So war es am 10. November 2015 auch, vielleicht noch etwas stimmungsvoller, als sonst. Es lag wohl nicht nur am Ort, dem neuen "Motel One", am Domplatz, sondern auch an der steigenden Wahrnehmung des MAIP in der Öffentlichkeit. Im Foyer war schon vor Veranstaltungsbeginn kaum noch Platz zu finden. Friedrich Koop, der 1.Vorsitzende des AIV-Magdeburg, konnte daher ein zahlreiches Publikum begrüßen. Besonders genannt seien hier, neben den Preisträgern und den Sponsoren, die beiden Laudatoren, der Minister für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen – Anhalt, Thomas Webel und ebenso freudig begrüßt, der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Magdeburg, Dr. Lutz Trümper.

Minister Thomas Webel würdigte, nach einer Begrüßung der anwesenden Sponsoren und des Oberbürgermeisters, die wesentliche Rolle des AIV bei der Förderung der Baukultur in Sachsen Anhalt, wobei er besonders die Gestaltung des "Motel One" hervorhob. Neben der Bedeutung der gestalterischen Qualität sind ständig neue funktionelle und konstruktive Anforderungen bei der Planung zu berücksichtigen, was auch an der Anzahl, der, neben den Architekten, auszuzeichnenden Fachingenieure festzustellen ist. Dabei lobte er besonders die Planungen und Realisierungen kleinerer Vorhaben, die zumeist von örtlichen Büros bearbeitet, unsere bauliche Umgebung positiv verändern. Wesentlich ist für ihn auch die Nachhaltigkeit. Sein abschließender Dank galt dann den Preisträgern, ehe das Mikrofon dann an Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper ging. Dieser bezog in seine Ausführungen, neben der Würdigung der ausgewählten Vorhaben, das rege Baugeschehen in Magdeburg insgesamt ein. Grundlage ist die Wirtschaftslage. Deshalb konnte auch das "Hotel One" am Domplatz, gebaut werden. Weitere Entwicklungen werden sich hier ergeben, wenn das geplante "Dommuseum" entsteht. Der Standort Magdeburg-Buckau, in welchem das "Budenberg Loft" liegt, entwickelt sich zu einer gefragten Wohnlage. Beide Preise wurden insofern gut gewählt. Wesentlich für das Baugeschehen sei, eine Nutzung der Gebäude zu finden. Der Oberbürgermeister schloss seine anregenden Worte mit einer Gratulation an die Preisträger. Beide Laudatoren wurden für ihre Ausführungen mit herzlichem Beifall bedacht.

Vorstandsmitglied Dr. Ullrich Querfurth, der Verantwortliche des AIV für den MAIP beschrieb dann den Ablauf des Preisverfahrens, von der Suche nach geeigneten Vorhaben über die Diskussion im Vorstand des AIV bis zur Vorlage von fünf Vorhaben für die Jurysitzung. Daraus wurden dann von den Juroren zwei Vorhaben als Preisträger ausgewählt. Beide Vorhaben stellen eine Kombination aus Neubau und Sanierung dar, sind aber sonst grundverschieden nach Lage, Funktion und Konstruktion, was den besonderen Reiz der diesjährigen Preisverleihung ausmachte. Beide Vorhaben erforderten viel Mut von den Bauherren, wofür ihnen Dank und Anerkennung gebührt, denn ein weiterer Leerstand der historischen Gebäude hätte unweigerlich zu Verfall und Abriss geführt. Beide Vorhaben wurden in hoher Qualität ausgeführt. Wesentlich für einen Erfolg war auch die Unterstützung durch die städtischen Behörden, besonders durch das Baudezernat, namentlich durch den Beigeordneten Dr. Dieter Scheidemann. Nach einem abschließenden Dank an die Erbauer beider Vorhaben folgte ein lang anhaltender Beifall für Dr. Ullrich Querfurth. Damit wurde seine besondere Leistung bei der Vorbereitung und der Durchführung des Preisverfahrens gewürdigt.

Die Preisverteilung an die Bauherren, an Rollandy Horvath, Geschäftsführer der "Grundtec Bauregie GmbH Wanzleben" für das "Motel One" und an Mike Schrader, Geschäftsführer der "Schrader-Haus GmbH Magdeburg" für das "Budenberg Loft, nahm der Oberbürgermeister vor. Beide erhielten – als Hauszeichen - eine künstlerisch gestaltete Plakette. Aus den Händen des Ministers empfingen die Planer ihre Urkunden. Für das "Motel One" waren es der Architekt Thomas Nörthemann von der "planungsregie.de GmbH Wolfsburg", der Statiker Thomas Sänger von "Assmann Beraten + Planen GmbH Magdeburg" und der Elektroplaner Ulrich Hanusch, "Hanusch.Ingenieurbüro Magdeburg. Die Urkunden für die HLS-Planung erhielten die Planungsbüros "IPED GmbH Magdeburg" und "ITG GmbH Magdeburg". Für die Planung der Außenanlagen erhielt das Büro "plan d: partner wehe & gotzner", ebenfalls Magdeburg, die Urkunde. Auch für das "Buckau Loft" erhielten fast ausschließlich Magdeburger Büros die Urkunden. Für Planung und Brandschutz nahmen Henrik Bischoff und Bence Zolyom vom Büro "Bischoff + Zolyom GbR Magdeburg/ Berlin" die Urkunde entgegen, für die Tragwerksplanung und HLS waren es Stefan Zobel vom "IBZ, Ingenieurbüro für Tragwerksplanung Magdeburg" und Matthias Große, "Ingenieurbüro Matthias Große Magdeburg".

Bevor dann Thomas Nörthemann, als Architekt des "MotelOne", über die schwierige, fast abenteuerliche Planung und Baudurchführung des Gebäudekomplexes berichtete, dankte er den Besitzern, der in Magdeburg ansässigen Unternehmerfamilie Gerhold, für ihr Verständnis und ihre Geduld bei einem derartigen Vorhaben. Schließlich baute man an einem Gebäude mit einer 1000-jährigen Baugeschichte, ständig begleitet von Archäologen. Dazu kamen extreme Bauzustände wegen des kritischen Baugrundes und gravierender Baufehler bei Jahrhunderte alten Überbauungen. Aber es war auch interessant, auf alte Gewölbe, Brunnen und sogar auf Reste einer Fußbodenheizung aus dem 10./11. Jahrhundert zu stoßen. Nach Möglichkeit wurden Teile dieser Funde sichtbar in den Bau einbezogen oder sorgfältig ergänzt. Dieser sichtbare Bezug zur Geschichte verleiht dem neuen Hotel einen Ausdruck von Unverwechselbarkeit und ein ganz besonderes Flair.
Dr. Karl Gerhold, als Vertreter der Besitzerfamilie gab dann in begeisterten Worten seiner Freude über den gelungenen Hotelbau Ausdruck und dankte dem AIV für die Auszeichnung sowie der Stadt Magdeburg für die Unterstützung. Ein besonderer Dank galt der von Rollandy Horvath geleitetten "Grundtec GbR für ihre Leistungen am Objekt.
Über den Bau des "Budenberg Loft" sprach Mike Schrader von der "Schrader-Haus GmbH Magdeburg". Als Bauherr dachte er bei dem Zustand seiner Immobilie zuerst eigentlich nur an Abriss. Insofern dankte er den Planern, dass sie aus der ruinösen Anlage einen ansehnlichen Wohnkomplex konzipieren konnten.
Tief in die Geschichte des Ursprungsgebäudes von 1884, die eng mit der Geschichte der Magdeburger Armaturenfabrik Schäffer & Budenberg verbunden war, stieg dann der Architekt des "Budenberg Loft", Bence Zolyom, ein. Anhand von Bestandsunterlagen zeigte er das komplizierte Innenleben der Hallen. Um die große Bautiefe für die Einfügung von Wohnungen nutzbar zu machen, wurde ein Bereich der Halle geöffnet und mit einem Laubengang versehen. Wegen der Hallenhöhe wurden die Wohnungen als Maisonettes ausgebildet. Hervorzuheben ist auch die Sorgfalt der Fassadensanierung. Man merkte den Worten von Bence Zolyom immer wieder die Liebe zum Detail an, ob nun an der Fassade oder im Innenraum – in der Buckauer Budenbergstraße ist ein Schmuckstück entstanden. Als interessante Ergänzung des hier Gesagten zeigte dann Bauherr Mike Schrader noch einen interessanten Drohnenfilm über sein Bauwerk, ehe Friedrich Koop die Vorträge über das Gebaute mit einem Dank an die Gäste und alle Mitwirkenden der Preisverleihung, an die Sponsoren, die die Preisvergabe durch ihre Unterstützung überhaupt erst ermöglichten, speziell auch an das Motel One, abschloss und die Teilnehmer zu einem attraktiven Buffett und zu angeregten Gesprächen übergingen. Allerdings gab es dabei noch eine interessante Ergänzung – die Hotelmitarbeiter luden zu einer Besichtigung ein, die die Sorgfalt der funktionellen und gestalterischen Leistung zeigte. Und es war erstaunlich, was es außer der modernen und zweckmäßigen Gestaltung noch an sorgfältig wieder aufgearbeiteten und geschickt einbezogenen historischen Details zu sehen gab. Es ist hier also nicht nur eine gute Übernachtungsstätte für auswärtige Gäste geschaffen worden, sondern auch ein Ort für Magdeburger. Es lohnt sich, der Hotelbar einen Besuch abzustatten und die o.g historischen Details im Erdgeschoss zu besichtigen, hier ist ein besonderes Ambiente zu erleben. Und dieses Ambiente führte wohl auch dazu, dass viele Gäste dieses Abends noch recht lange sitzen blieben! Es ist keine Übertreibung - die diesjährige Preisvergabe hat alle "Vorgängerinnen" noch übertroffen, was nicht zuletzt ein Beweis für die wachsende Attraktivität des AIV im Gesellschaftsleben der Stadt Magdeburg ist.


Erich Deutschmann