Ausgezeichnet werden

Gemeindehaus in der Wallonerkirche




Lobende Anerkennung für:

Neubau B.T.Innovation
Sudenburger Wuhne 60




GETEC Gebäudeensemble -
IV. und V. Bauabschnitt
Albert-Vater-Str. 50




Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreis für das Bauwerk des Jahres 2015 Niederschrift über die Jurysitzung am
14.09.2016, 17:30 Uhr



Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreis Preisverleihung für die Bauwerke des Jahres 2015











16.November 2016, 17.00 Uhr in der Wallonerkirche

Die alljährliche Verleihung des Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreises fand wieder einmal an einem besonderen Ort statt – in der Wallonerkirche, genauer gesagt: im neuen Gemeindehaus "in" der Wallonerkirche. Die Beteiligung war, wie gewohnt, rege. Eine halbe Stunde vor Beginn bewunderte man schon den zartgliedrigen Bau in der hohen gotischen Kirche.

Der Verleihungsakt begann mit Orgelspiel, man war schließlich in einer Kirche. Uwe Blechschmidt, 2.Vorsitzender des AIV-Magdeburg, begrüßte neben den zahlreichen AIV-Mitgliedern besonders die Gäste. Vom Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt war Staatssekretär Dr.Sebastian Putz gekommen, die Landeshauptstadt vertrat der Beigeordnete für Stadtentwicklung und Verkehr, AIV-Mitglied Dr. Dieter Scheidemann. Ausdrücklich bedankte sich Uwe Blechschmidt bei den Sponsoren des AIV, die durch ihre finanziellen Beiträge die Verleihung des Preises überhaupt erst ermöglichten. Sein Dank galt auch den Vertretern der evangelisch-reformierten Gemeinde Magdeburg, dem Vorsitzenden des Presbyteriums Thomas Böttcher und dem Pfarrer Helge Hoffmann. Auch die Vertreter der Architekten- und der Ingenieurkammer wurden begrüßt und, selbstverständlich, die Preisträger und die Empfänger der gleichfalls ausgesprochenen "Lobenden Anerkennungen". Er ging dann noch auf das engagement des AIV-Magdeburg an der Gestaltung des baulichen Erscheinungsbildes der Stadt ein. Da die Beteiligung der Ingenieure am Bau ständig gewachsen ist, entwickelte sich ein ursprünglich ausgelobter reiner Architektenpreis des AIV aus dem Jahr 1997 zum heutigen Architekten- und Ingenieurpreis. Für dessen Zustandekommen würdigte er besonders die unermüdliche Tätigkeit von AIV-Vorstandsmitglied Dr.Ullrich Querfurth.

Staatssekretär Dr.Sebastian Putz, einer der beiden Laudatoren, erwies sich, nachdem er Grüße des Ministers für Landesentwicklung und Verkehr, Thomas Webel ausrichtete, in seinem interessantem Beitrag als profunder Kenner der Magdeburger Geschichte, insbesondere der Geschichte der ehemaligen Augustinerkirche, der heutigen Wallonerkirche, wobei er indirekt den den Bogen zur derzeitigen Lutherdekade schlug, indem er die Beziehungen des ehemaligen Augustinermönches Martin Luther zu dieser Kirche erwähnte. Ausdrücklich lobte er den AIV für das Engagement für die Baukultur, gab seiner Freude über die Einladung zur Preisverleihung Ausdruck und dankte allen, die an der Preisfindung beteiligt waren.

Als weiterer Laudator würdigte Baubeigeordneter Dr.Dieter Scheidemann die Auslobung des Preises als sehr gute Tradition. Er freute sich auch über die Zunahme des Interesses der Bevölkerung an der Baugestaltung, was die Diskussionen über die laufenden Großbauvorhaben beweisen. Sein Credo für Städtebauliche Wettbewerbe zur Erzielung einer hohen Qualität der Bebauung der noch freien Bauflächen in der Stadt, wurde als programmatische Aussage von den Anwesenden mit Beifall gewürdigt, zumal auch die laufende "Bürgerbeteiligung" weiter qualifiziert werden soll.

Uwe Blechschmidt leitete dann zur eigentlichen Preisvergabe über, wobei er betonte, dass die Wallonerkirche mit dem Einbau des Gemeindehauses ein "neues Herz" bekommen hat. Aus den Händen des Staatssekretärs empfingen der Vorsitzende des Presbyteriums Thomas Böttcher und Pfarrer Helge Hoffmann, als Vertreter des Bauherrn Evangelisch-Reformierte Gemeinde Magdeburg, unter dem Beifall der Veranstaltungsteilnehmer, die künstlerisch gestaltete Preis-Plakette, verbunden mit dem Wunsch, diese an einer gut sichtbaren Stelle des Gebäudes anzubringen. Anschließend erhielten als Architekten des Vorhabens die Vertreter des Büros Steinblock Architekten GmbH Magdeburg ihre Urkunde für die Bauplanung. Urkunden als Fachplaner erhielten: für die Tragwerksplanung - das Ing.-Büro A.R.T.Axel Rolfs, für Heizung, Lüftung, Sanitär – Hekuma Ingenieurgesellschaft mbH und für die Elektroplanung die IPK Ingenieurplanungs- und Komplexbaugesellschaft mbH Magdeburg.

Neben dem Preis für das Bauwerk des Jahres 2015 gab es vom AIV noch zwei lobende Anerkennungen für Bauvorhaben, die gleichfalls in hohem Grad die Kriterien für eine Auszeichnung erfüllten. Die Urkunden für das Bauvorhaben Neubau B.T. Innovation Magdeburg erhielten der Bauherr B.T. Innovation GmbH Magdeburg und der Architekt Prof.Ralf Niebergall, für das Vorhaben GETEC Gebäude – IV. und V.Bauabschnitt gingen die Urkunden an den Bauherrn GETEC AG Magdeburg und die Architekten planungsring.de Wolfsburg (IV.BA) und Schmeier+Miersch Magdeburg (V.BA).

Nach einem Orgel-Zwischenspiel erläuterte die Architektin Ulrike Tietze von Steinblock- Architekten das Vorhaben "Gemeindehaus in der Wallonerkirche". Man merkte ihrem Beitrag an, dass sie sich umfassend mit der wechselvollen Geschichte des 800 Jahre alten Gotteshauses befasst hatte, wobei sie den Schwerpunkt auf die Zeit der Reformation mit dem Aufenthalt Martin Luthers und auf die 1.Zerstörung Magdeburgs im 30-jährigen Krieg mit dem danach im Jahr 1689 erfolgten Einzug der wallonischen Flüchtlinge in Magdeburg, denen die ehemalige Augustinerkirche zur Ausübung ihrer Gottesdienste zur Verfügung gestellt wurde, legte. Auf die Zerstörungen durch den 2.Weltkrieg eingehend, wies sie auch auf eine dritte Zerstörungswelle, dann in der Nachkriegszeit, hin, in der sieben historische Kirchen der Magdeburger Altstadt für immer verloren gingen. Der hierzu von ihr gezeigte Lageplan ließ noch einmal Trauer über diese sinnlose Barbarei aufkommen. Nach jahrelanger, mehr oder weniger provisorischen, Nutzung einer Seitenkapelle und angemieteter Räume, ist durch den Einbau des Gemeindehauses nun eine Gemeindearbeit unter modernen Bedingungen, zu denen auch die Flexibilität der Raumnutzung gehört, möglich.

Anschließend drückte Pfarrer Helge Hoffmann in kurzen, aber prägnanten Worten seine Freude über die Arbeitsmöglichkeiten im neuen Gemeindehaus, das seit Pfingsten 2016 genutzt wird, aus. Nun wünscht er sich nur noch eine allzeit voll besetzte Kirche.

Nach einem erneuten Orgelbeitrag kamen die Empfänger der Anerkennungen zu Wort. Architekt des Vorhabens "Neubau B.T.Innovation" Professor Ralf Niebergall, Präsident der Architektenkammer des Landes Sachsen-Anhalt, trug in lockerer, amüsanter Form etwas zu der gemeinsam mit dem Geschäftsführer von B.T. Innovation absolvierten besonderen Entstehungsgeschichte des klassisch streng gestalteten Gebäudekörpers vor, ehe er auf die moderne Fassadengestaltung und die flexible Grundrissgestaltungeinging. Überhaupt betonte er den geistigen Zusammenhang zwischen dem außergewöhnlichen Produktionsprofil des Ingenieurbetriebes, das vom innovativen Betonplattenverbinder bis zum Low Cost-Haus reicht, mit dem Entwurf für das außergewöhnliche Bürogebäude.

Es war ein auch ein recht musikalischer Abend, denn nun kam wieder ein Orgelstück, ehe Thomas Nörthemann, der Architekt des "GETEC-Gebäudes-IV.BA", das Wort ergriff. Anhand von Bildmaterial, speziell von der Innengestaltung des Gebäudekomplexes, schilderte er die Grundgedanken des Entwurfs, der die gewachsene Wirtschaftsleistung, aber auch die gesteigerte soziale Kompetenz des GETEC-Unternehmens wiederspiegelt. Zu letzterer gehört neben einer restaurantartig ausgebildeten Versorgungs- und Kommunikationsebene noch eine separat liegende kindgerecht gestaltete Kindertagesstätte mit eigenen Freiflächen. Es war alles andere als einfach, aus drei Gebäuden verschiedener Baujahre mit Hilfe eines großzügig verglasten Verbindungsbaus einen gestalterisch zusammengefassten, atriumartigen Komplex zu bilden. Doch nun bietet das elegante Ensemble eine wesentliche städtebauliche Aufwertung des bisher etwas zerrissen erschienen Teilstücks der wichtigsten Ausfallstraße Magdeburgs in westlicher Richtung, der Albert-Vater-Straße (B1).

Nach diesem, letzten, Beitrag wurde die Glaswand zum östlichen Teil der Hallenkirche geöffnet und zu einem vorzüglich angerichtetem Büfett eingeladen. Die winterlicher Temperaturen, wie sie nun mal in einem alten Gemäuer herrschen, taten der Geselligkeit keinen Abbruch. Es herrschte allgemeine Freude über eine glückliche Wahl des Preisträgers und der Lobenden Anerkennungen und über den stimmigen Auszeichnungsakt. Beim späteren "Blick zurück" an der Kirchentür strahlte das, in dem 22 m hohen Kirchenschiff, zwischen den kräftigen Säulen, so zierlich wirkende Gemeindehaus – wie ein "Licht in der Nacht"!


Erich Deutschmann


Weitere Bilder von der Preisverleihung sind im Internet zu finden unter der ULR: https://www.dropbox.com/sh/dwebvpbfiz9euqn/AAAuV_SuRe68zsAHoDz1HXF9a?dl=0
Bitte bei Verwendung oder Weiterleitung immer angeben: Quelle: AIV-Magdeburg