Der Architekten - und Ingenieurverein zu Magdeburg von 1876 e. V.
und seine Mitglieder.

 Am 19. Juli 1876 wurde der „Architekten- und Ingenieurverein für die Provinz Sachsen, die Anhaltinischen und Thüringischen Lande“ von 13 Baubeamten, die die Notwendigkeit des Zusammenschlusses erkannt hatten, in Magdeburg gegründet. Der Name unterstrich schon damals die überörtliche Bedeutung, die diesem neuen Verein beigemessen wurde. Im Wortlaut der ersten Versammlungsniederschrift finden sich folgende Vereinsziele:... die Fachinteressen zu fördern, die wissenschaftlichen Bestrebungen der einzelnen zur Bildung aller zu verwerten und die Vereinigung der Mitglieder untereinander zu festigen. Ziele, die auch heute noch Bedeutung haben.

 Bereits bei der zweiten Sitzung am 4. November 1876 zählte der Verein 27 einheimische und 16 auswärtige Mitglieder, wobei sich weitere 19 Herren zur Aufnahme angemeldet hatten. Thema dieser Sitzung war unter anderem der „Umbau der Sebastiankirche in Magdeburg“, einer weiteren traditionsreichen( romanischen )Kirche neben der Johanniskirche.

 Am 9. Februar 1884, nachdem sich in Thüringen und in Anhalt selbständige Zweigvereine gegründet hatten, wurde der Vereinsname geändert und auf den bescheidener klingenden Namen „Architekten- und Ingenieurverein zu Magdeburg“ eingeschränkt. Der Verein setzte seine Tätigkeit getreu seinem Gründungsprogramm fort, durch belehrende Vorträge sich mit den wichtigen Fragen des Faches, den hervorragenden Bauten und Bauentwürfen nicht nur Deutschlands, vielmehr auch fremder Länder, insbesondere Amerikas, mit den neuesten Errungenschaften auf dem Gesamtgebiete der technischen Wissenschaften zu beschäftigen, wobei naturgemäß der Eisenbahn- und Wasserbau vorzugsweise in Frage kommt. Reger Anteil wurde an den städtischen  bedeutsamen Bauausführungen genommen, von denen gerade in der vergangenen Zeitperiode eine erfreulich große Zahl von Bauwerken des Hoch- und Tiefbaues zu verzeichnen war.

 Außer den Vorträgen diente als bestes Mittel zur Belebung der Vereinstätigkeit der Besuch der großen Baustellen, z. B. des Hafens, der Elbbrücke usw., ferner die Industriestätten und Fabriken im Betriebe. Zur Pflege der Geselligkeit wurden alljährlich in den Wintermonaten Tanzfestlichkeiten veranstaltet, im Sommer hielten Ausflüge in die nähere und fernere Umgebung Magdeburgs die Beziehungen zwischen den Vereinsmitgliedern und ihren Familien aufrecht. Oft brachten diese Ausflüge durch Besichtigung technischer Anlagen auch reiche fachliche Belehrung. [1]

Alles dies hätte auch heute geschrieben sein können, denn diese Vereinsziele gelten nach wie vor. In der jetzt gültigen Satzung [2] liest sich das so:

„ - Durchführung wissenschaftlicher und baukultureller Veranstaltungen

   - Wettbewerbe und Preisverleihungen für Architekten, Ingenieure und deren beruflichen Nachwuchs

   - Exkursionen und Studienreisen

   - Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen, technisch-wissenschaftlichen Vereinigungen, Institutionen im Ausbildungsbereich sowie anderen Institutionen und Einzelpersönlichkeiten.“

Ende des Jahres 1910 schloß sich der Verein mit dem „Magdeburger Bezirksverein des Vereins deutscher Ingenieure“ und mit der „Elektrotechnischen Gesellschaft zu Magdeburg“ zum „Verbande technisch wissenschaftlicher Vereine zu Magdeburg“ zusammen und zwar, wie es ausgedrückt wurde: zur Förderung der gemeinsamen Ziele sowie zur Hebung des Ansehens und des Einflusses der Technik. [3]

Auch dies ist eine historische Parallele zur aktuellen Entwicklung. Ein „Ingenieurrat“ der Ingenieurkammer, Ingenieurverbände, -vereinigungen, und -vereine in Sachsen-Anhalt“ hat sich vor kurzem gegründet.(Gemeinsamkeit macht stark!).

Leider verliert sich die Spur unseres Vereins in den dreißiger Jahren durch die nationalsozialistische „Gleichschaltung“. Auch zu DDR- Zeiten gab es kein Bedürfnis den Traditionsverein wieder auferstehen zu lassen. Erst am 28. Januar 1995 gelang es den „Architekten- und Ingenieurverein zu Magdeburg von 1876 e. V.“ unter Aufrechterhaltung der Vereinstradition wiederzugründen.

Wie schon vor 120 Jahren gehören auch die 14 neuen Gründungsmitglieder den unterschiedlichsten Berufsgruppen an, die jedoch eng mit dem Bauen verbunden sind. Nicht nur Architekten und Ingenieure sondern auch Wohnungswirtschaftler, Bauunternehmer, Juristen, Immobilienfachleute und viele andere Berufe sind in der Zwischenzeit Mitglieder bei uns geworden. Das fördert auch die ganzheitliche Betrachtung des Baugeschehens und die Wiederzusammenführung der immer zahlreicher werdenden Spezialisten.

Unser Verein will auch weiterhin offen bleiben für alle, die auf irgendeine Weise mit dem Bauen zu tun haben. Das eröffnet interdisziplinäre Kontakte und Kooperationen. Wen ich kenne und schätze, den kann ich auch zu meinen Problemen befragen und natürlich auch zu einer eventuell notwendigen Zusammenarbeit gewinnen. Dies wird in der Zukunft immer bedeutsamer, je mehr sich die traditionellen Berufsbilder verändern und unsere Dienstleistung immer komplexer wird.

Der AIV will auch außerhalb des rein Beruflichen Aufgaben erfüllen, seien es die bereits genannten Fachexkursionen und das Ausrichten von Wettbewerben. Nicht zuletzt sollen heute wie damals die gesellschaftlichen Veranstaltungen, bei denen das gegenseitige Kennenlernen und das persönliche Gespräch im Vordergrund steht, eine wichtige Rolle im Vereinsleben spielen. Wir alle wollen zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen, die nicht selten zur Freundschaft wird und in der einer für den anderen steht.

Der Magdeburger Architekturpreis und die Veranstaltung zur Preisverleihung ist eine gute Gelegenheit den AIV besser kennen zu lernen und sich mit seinen Zielsetzungen zu befassen. Vielleicht wird dadurch der eine oder andere feststellen, daß eine Mitgliedschaft im AIV sowohl beruflich wie auch persönlich von Vorteil ist.

Auch Firmen können Fördermitglieder des AIV werden. Der Vertreter des Fördermitgliedes hat dabei die gleichen Rechte und Pflichten wie ein persönliches Mitglied. Der Förderbeitrag ist freigestellt, dafür kann auf Wunsch auch eine Spendenquittung ausgestellt werden, da unser Verein als gemeinnützig anerkannt ist. Ohne unsere Fördermitglieder - leider haben wir nur wenige - könnte der AIV seine vielfältigen Aktivitäten gar nicht durchführen. Der persönliche Vereinsbeitrag von derzeit 100 DM, der aus Gründen des breiten Mitgliedsspektrums bewußt niedrig gehalten ist, reicht lediglich für die Geschäftsbedürfnisse aus. Deshalb muß es eine unserer Zukunftsaufgaben sein neben persönlichen Mitgliedern auch weitere Fördermitglieder zu gewinnen.

Einen nicht ganz unerheblichen Teil unseres Vereinsbeitrags beansprucht auch unser Dachverband, der DAI, bei dem der AIV Magdeburg Mitglied ist. Dafür bekommt jedes AIV - Mitglied monatlich die Verbandszeitschrift „Das Bauzentrum/Baukultur“, die als Fachzeitschrift für Technik, Wissenschaft, Kunst und Umwelt ein hohes Niveau in der Vielzahl der einschlägigen Fachliteratur aufweist. Sie ist zudem unser Publikations- und Diskussionsforum, das jedem AIV-Mitglied die Möglichkeit zur persönlichen Meinungsäußerung gibt. Leider wird dies noch von viel zu wenigen genutzt.  Darüber hinaus bietet uns der DAI, über das Jahr verteilt, eine Reihe von Fachveranstaltungen, Reisen und Fachpublikationen an, die für uns überaus nützlich sein können. Beispielsweise ist die Broschüre zum Thema „Generalplanung“ die wohl umfassendste und brauchbarste Abhandlung dieses Themas überhaupt. Die Mitgliedschaft im AIV-Magdeburg, und damit auch im DAI, ist also kein Selbstzweck und keine verzichtbare Freizeitbeschäftigung, sondern für jeden auch ein berufliches Stimulans, das sowohl berufspolitisch, wie auch fachlich weit über das Tagesgeschäft hinausreicht. So betrachtet gewinnt der AIV einen ständig wachsenden Stellenwert im beruflichen wie auch im gesellschaftlichen Leben unserer Stadt und unserer Region.

 


[1] Festschrift zur 50-Jahrfeier des AIV-Magdeburg, November 1926

[2] beschlossen am 6. August 1996

[3] Festschrift zur 50-Jahrfeier des AIV-Magdeburg, November 1926